Primitiv und grob, so urteilten die Europäer, als sie vor etwa 350 Jahren im südlichen Afrika auf die Felsbilder einer frühen Jäger- und Sammlerkultur stießen. Buschmann-Malereien eben, einfache Darstellungen von Jagd, Kampf und Alltagsleben.
Heute haben die Wissenschaftler wesentlich mehr Achtung vor der Schönheit dieser detailreich und mit erlesenen Farben gemalten Szenen. Sie haben genauer hingeschaut und erkannt, dass die Felsmalereien das Leben nicht nur abbilden, sondern es sozusagen festhalten und speichern. Wenn die Schamanen eine Elenantilope malten, dann huldigten sie damit nicht nur einem heiligen Tier; sie fingen sein Wesen ein. Mit dem Auftragen von Farbe auf Stein öffneten sie ein Tor zu einer jenseitigen Welt.
Die Bilder zeigen, wie ein Ethnologe sagt, "die Vorstellungen, die die Buschleute am tiefsten bewegen". Die Elenantilope ist das am meisten gezeichnete Tier der San - so der Khoi-Name der Buschleute, der "Außenstehende" bedeutet. Sahen die Buschleute hinter diesen Bildern Gott? Der Fels war für sie ja nicht nur "Leinwand", sondern eine Art Schleier zwischen der materiellen und der spirituellen Welt. Ihre Gemälde halfen, diesen Schleier zu durchdringen.
Obwohl die Buschleute schon seit einem Jahrhundert keine Felsen mehr bemalen, praktizieren einige Gruppen in der Kalahari noch immer Trance-Rituale, die an diese Kunst erinnern. In Zeremonien, die die ganze Nacht dauern, klatschen und singen die Frauen, während die Männer um das Feuer tanzen, heftig atmend, bis die spirituelle Kraft in ihnen zu sieden beginnt.
Ein Schamane, der diesen Zustand erreicht hat, bekommt manchmal Nasenbluten. Er verwandelt sich geistig in ein Tier und zapft dessen Kraft an, um Kranke zu heilen, Regen zu erzeugen oder Beute gefügig zu machen.
Mehr über die Bilder aus einer anderen Welt:
Surfen Sie dazu auch zur amerikanischen Website von NATIONAL GEOGRAPHIC und begeben Sie sich dort auf eine multimediale Reise zur spirituellen Welt der Buschmänner. mehr...
Besuchen Sie im Internet das Bushman Art Project, das die Buschleute durch künstlerisches Arbeiten dabei unterstützt, ihre Selbständigkeit und Identität wiederzuerlangen.
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