Ken Edgett sitzt vor seinem Computer und staunt. Vor ihm entsteht auf dem Bildschirm ein neues Bild vom Mars. Der junge Geologe hat die reizvolle Aufgabe, jede einzelne Aufnahme des Planeten zu analysieren. Ein Mammutprogramm, denn die Raumsonde Mars Global Surveyor schickt Sekunde für Sekunde 5000 Pixel in das Labor unweit von San Diego an der kalifornischen Pazifikküste - das sind bis zu 300 Bilder am Tag. Edgett kennt den Mars wie kaum ein anderer. Bis zu dem Gefühl, die Bergriesen, neben denen der Mount Everest wie ein Winzling wirkt, selber erklommen zu haben. Bis zum Eindruck, bei Wind und Kälte durch die eisigen Dünen marschiert zu sein.
Zwei Jahrzehnte nach den "Viking"-Missionen wurde die Raumsonde "Surveyor" auf die lange Reise zum Roten Planeten geschickt. Sie sollte ein volles Marsjahr lang - das entspricht 687 Erdtagen - ein vollständiges Porträt des Planeten erstellen. Und sie sammelte Daten über rapide Wetterumschwünge. Auf dem Gipfel des Olympus Mons zum Beispiel liegt die typische Tageshöchsttemperatur bei fünf Grad, die Tiefsttemperatur bei minus 110 Grad. 1996 warteten Forscher mit einer Sensation auf: In einem vom Mars stammenden, in der Antarktis gefundenen Meteoriten seien möglicherweise Spuren ehemaligen mikrobiellen Lebens entdeckt worden. Bei der Erforschung des Mars ist die Frage nach Wasser auf dem Planeten immer von vorrangigem Interesse gewesen, denn flüssiges Wasser ist die Grundlage alles bekannten biologischen Lebens. Alle Indizien deuteten immer wieder darauf hin. Andere Daten des "Surveyor" stützen hingegen die gegenteilige These: dass es auf dem Mars keinen Regen gegeben hat. Danach könnten die Flussbetten und Kanäle ebenso gut bei kurzen, nur sporadisch auftretenden Naturereignissen entstanden sein, zum Beispiel durch Ströme flüssigen Vulkangesteins oder durch den Aufprall von Asteroiden und Kometen.
Und so interressant die vom "Surveyor" gesammelten Daten sind, so führen sie doch auch vor Augen, wie wenig über den Planeten bekannt ist, wie unzulänglich die Mittel der Wissenschaftler und Ingenieure sind. All diese Faktoren fielen ins Gewicht, als sich die NASA im Oktober 2000 zu einer drastischen Neuformulierung ihrer langfristigen Marsstrategie entschloss.
Bisher war sie darauf ausgerichtet, Proben vom Planeten auf die Erde zu bringen und hier nach Spuren von Leben zu untersuchen. Die neue Strategie soll weniger anfällig für Fehlschläge sein und flexibler auf neue Entdeckungen reagieren können.
Die Vorbereitungen für den Start von zwei Sonden laufen bereits. Die amerikanische 2001 Mars Odyssey soll noch in diesem Jahr starten, der europäische Mars Express wird 2003 folgen. Diese Sonden sollen nach einer sechsmonatigen Reise mit bislang nie gekannter Gründlichkeit nach Wasser auf dem Roten Planten forschen. Eine Kamera aus dem Institut für Weltraumsensorik und Planetenerkundung in Berlin-Adlershof, eines von sieben Messinstrumenten an Bord des "Mars Express", wird aus einer elliptischen Umlaufbahn heraus den Planeten vier Jahre lang dreidimensional dokumentieren - genauer, als viele Regionen der Erde jemals vermessen worden sind.
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