Der Statthalter des Pharaos

Artikel vom 01.09.2001  —  Autor: Zahi Hawass  —  Bilder: Kenneth Garrett
Ausgrabungen El Bawiti

Bild: Kenneth Garrett Vergrößern

Geschäftig geht es zu in den Straßen von El Bawiti, der größten Stadt der Oase Bahariya, seit man in der Nähe mehr als 200 griechisch-römische Mumien entdeckt hat. Doch El Bawiti birgt ein älteres Geheimnis. Unter den Häusern haben wir in einem Labyrinth von Kammern die Gräber des legendären Statthalters Djed-Chons-uef-anch, seines Vaters und seiner Frau gefunden. Archäologen haben danach gesucht, seit man 1938 auf die Gräber von drei Verwandten des Statthalters gestoßen war. Djed-Chons-uef-anch regierte Bahariya während der 26. ägyptischen Dynastie (664 bis 525 v. Chr.). Damals waren die Oasen wichtige Vorposten gegen Invasoren aus der Wüste im Westen. Bei Bahariya kreuzten sich Karawanenwege. Die Statthalter waren wohlhabende Männer und standen in enger Verbindung zu den Herrschern: Ein Relief in einer von Djed-Chons-uef-anch errichteten Kapelle zeigt ihn in gleicher Größe wie den damaligen Pharao.

Begräbniskomplex

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Unter dem Stadtteil Sheik Sobi brechen wir zu einem Grab durch und stoßen auf eine versiegelte Tür mit dem Schriftzug Djed-Chons-uef-anch. Es ist eine zermürbende Arbeit, den dahinter liegenden Schutt wegzuschaffen, aber es lohnt sich: Zum Vorschein kommt ein massiver Kalksteinsarkophag mit einem prächtigen Gesicht, vermutlich die Arbeit eines Bildhauers aus dem fernen Memphis, und einer Inschrift, die den Bestatteten identifiziert: "Djed-Chons-uef-anch, Statthalter von Waht-Smenchet".

Laut singend schieben wenig später die Arbeiter den tonnenschweren Deckel beiseite. Darunter kommt ein zweiter Sarkophag aus Alabaster ans Licht. Ein Loch in der Seite beweist: Hier waren - wohl in der Römerzeit - schon Grabräuber am Werk. Mit dem Notizbuch in der Hand warte ich, bis der zweite Deckel entfernt ist: Der Holzsarg und die Mumie im Inneren sind schon vermodert.

Schmuck in den Grabkammern

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Beim Durchsuchen der Kammer entdecken wir Reste vom verzierten Grabtuch des Statthalters, zurückgelassen von den Grabräubern: ein goldenes ba-Zeichen, das geflügelte Symbol der Seele, und schützende Kobra-Darstellungen. Im Inneren der Sarkophage finden wir ein Goldamulett des Gottes Kebeh-sennuef, des Hüters der inneren Organe.

Nicht weit von der Grabkammer von Djed-Chons-uef-anch erwartet uns eine Überraschung: Unter einem Haufen herabgestürzten Sandsteins entdecken wir den Sarkophag einer Frau mit dem Namen Naes. Inschriften auf den 224 neben dem Sarkophag gefundenen ushabti (Mumienfiguren) deuten darauf hin, dass sie die Frau des Statthalters war. Wir hoffen, dass wir noch mehr erfahren, wenn wir die Grabkammer seiner Mutter finden. Sie kann nicht weit entfernt liegen. Mit etwas Glück werden wir den Familienstammbaum vervollständigen.


(NG, Heft 9 / 2001)
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