Wohl kein anderer großer Friedhof liegt so ungewöhnlich wie die Totenstadt der Pharaonen in Theben. Hier, in dieser ausgedörrten Wüste, haben Grabräuber und Wissenschaftler schon in alten Zeiten die gut versteckten letzten Ruhestätten der Pharaonen gesucht und viele gefunden. Die Suche nach Tutanchamuns Grab glich dem Aufspüren der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Tausende von Touristen waren schon über die Stelle hinweggeschritten, bevor dort der sagenhafte Fund gemacht wurde. Und so mancher Archäologe hatte sich bei seiner Grabung bis auf wenige Meter der Stätte genähert, an der Lord Carnarvon und Howard Carter 1922 nach vielen Jahren der Mühe schließlich den Lohn ihrer Arbeit ernteten: Sie entdeckten das Grab von Tutanchamun. Jetzt sollte es endlich geöffnet werden.
Am 17. Februar kam ich in Luxor an, setzte über den Fluss und machte mich auf den Weg zu den Königsgräbern. Ich hatte keine Eile, mein Ziel zu erreichen, sondern wollte gemächlich zu Fuß gehen, die Dorfschönheiten auf Arabisch begrüßen, die afrikanische Sonne auf dem Rücken spüren und die Kamele auf dem Weg zu den Zuckerrohrfeldern beobachten. Zwei Reporterkollegen waren schon da, und ein dritter schlenderte umher, alle in Erwartung neuer Nachrichten. Jederzeit konnte es passieren, dass plötzlich und ohne Vorwarnung wunderbare Schätze auf einem Karren ans Tageslicht kamen, nur um gleich darauf in eine andere Grabhöhle befördert zu werden, die als Lager und Konservierungswerkstatt diente.
Nach einer Weile fuhr ein Auto vor, und eine weiß gekleidete Gestalt stieg aus. Allgemeines Händeschütteln und gegenseitiges Bekanntmachen. Danach schritt der Ehrengast dieses Tages, Königin Elisabeth von Belgien, geführt von Mr. Carter und Lord Carnarvon den Weg zum Eingang des Grabs hinunter.
Am nächsten Tag hatte ich selbst Gelegenheit, das Grab zu betreten. Und das habe ich gesehen: Steile Stufen, die zu einem abschüssigen Weg hinunterführten, fast lebensgroße Wächterstatuen und zwischen ihnen der Eingang zur inneren Kammer, der nun durch neue Bretter versperrt war. Und den Sargschrein. Worte vermögen den Anblick seiner Ornamente nicht zu beschreiben.
Geisteraugen blicken einen von der Mitte der rechten Kante vorwurfsvoll an, und eine Schlange windet sich hilflos in gefälligen Schleifen in der Nähe des Deckels. Die Struktur scheint aus Holz zu sein, mit einem Überzug aus Blattgold oder erhabenem Gold, das glänzt und mit einem Muster aus Lapislazuli oder Fayence geschmückt ist. "Wenn die Mumie wirklich da drin ist, trägt sie wahrscheinlich tollen Schmuck", sagte eine anwesende Dame. Schon bald sollte sich herausstellen, wie recht die Besucherin hatte.
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