Weit jenseits der Brecher, die bei Point Reyes nahe San Francisco in Kalifornien an die Küste rollen, gleiten drei fliegende Echsen durch den grauen Himmel wie in der fernen Vergangenheit unserer Erde. Gemächlich schlagen sie ein paar Mal mit den Flügeln. Eine bricht plötzlich aus der Formation aus und stürzt sich kopfüber ins Wasser, um mit ihrem langen Schnabel einen Fisch zu fangen. Mit ein paar kraftvollen Flügelschlägen und unterstützt von schwimmhautbewehrten Füßen, erhebt sie sich wieder aus den Wellen. Als die vermeintlich urzeitliche Flugechse näher kommt, entpuppt sie sich als ein ganz gewöhnlicher brauner Pelikan.
Am Strand steht der Paläontologe Kevin Padian und beobachtet die Vögel aufmerksam mit dem Fernglas. Das Verhalten der Küstenvögel studiert er zu einem besonderen Zweck: So kann er sich besser vorstellen, wie es wohl damals aussah, als die Pterosaurier, die Flugechsen, die ökologischen Nischen der Vögel besetzten. "Die Flugsaurier waren einfach das Tollste, was jemals geflogen ist", erzählt Padian. "Die ersten Wirbeltiere auf der Erde, die aktiv fliegen konnten, lange vor den Vögeln und Fledermäusen. Und was ihre Größe angeht, hatten sie bereits die Grenzen dessen erreicht, was für ein flugfähiges Tier überhaupt möglich ist."
Wie ihre Vettern, die Dinosaurier, haben auch die Pterosaurier eine der großen Erfolgsgeschichten der Evolution geschrieben. Zum ersten Mal tauchten sie in der Triaszeit vor 215 Millionen Jahren auf. 150 Millionen Jahre lang beherrschten sie die Lüfte, bis sie am Ende der Kreidezeit ausstarben - ein fast unvorstellbar langer Zeitraum im Vergleich zur kurzen Geschichte der Menschheit, deren Vorfahren vor noch nicht einmal vier Millionen Jahren zum ersten Mal aufrecht gingen.
Noch ohne jegliche Konkurrenten in der Luft besiedelten die Pterosaurier alle Kontinente und brachten eine riesige Formen- und Größenvielfalt hervor. Die kleinsten der mehr als 120 bekannten Arten waren nicht größer als eine Drossel, die größten erreichten eine Flügelspannweite von fast zwölf Metern.
Eine Fülle von Fossilienfunden veranlasste Wissenschaftler in den letzten drei Jahrzehnten, ihre bisherigen Theorien über diese Tiere zu überdenken. Doch trotz der neuen Entdeckungen klaffen immer noch große Lücken in unserem Wissen über die Pterosaurier. Wie sich ihre Flugfähigkeit entwickelte, weshalb sie verschwanden oder wie sie im Einzelnen aussahen, weiß bisher niemand genau zu sagen. Vor 65 Millionen Jahren ging die lange Herrschaft der riesigen Flugechsen am urzeitlichen Himmel für immer zu Ende.
DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion
blog comments powered by Disqus