Es braucht schon ganz schön viel Sturheit, um 2000 Kilometer zu Fuß durch den Westen Zentralafrikas zu marschieren - durch eine Wildnis, die hier, zwischen der Nordostecke der Republik Kongo und dem Atlantik, noch intakt ist. Und viel Kraft, um diese Strecke in einer einzigen, ununterbrochenen Expedition zurückzulegen. Um monatelange Strapazen fernab der Zivilisation auf sich zu nehmen. Flüsse auf provisorischen Brücken zu überqueren, durch Sümpfe zu waten, Schluchten zu überwinden und sich mit der Machete durch endloses Dickicht zu kämpfen.
Nachdem die ersten zwei Wochen den Ökologen J. Michael Fay, ein Angestellter der Wildlife Conservation Society in New York, durch den Nouabalé-Ndoki-Nationalpark und in den faszinierenden Urwald des Goualougo-Dreiecks führten, stößt er nun auf fast undurchdringliche Vegetation und unpassierbare Sümpfe. Fays Ziel ist es, das Leben im Dschungel quantitativ zu dokumentieren und aus den gewonnenen Daten die Innenansicht eines zentralafrikanischen Urwalds zu zeichnen, bevor er unwiederbringlich verloren geht.
Unerschrocken dringt der Abenteurer mit seinem Team weiter in die gefährliche Wildnis vor. Was gibt es dort? Keine Dörfer, keine Straßen - und auf der Karte nur einen großen grünen Fleck. Fay benutzt möglichst oft die Elefantenpfade, und wenn es keine gibt, schlägt er sich durch das Buschwerk. Voran geht es nur dank des Führungsmanns Mambeleme. Fay selber empfindet diesen Regenwald als die Grüne Hölle. Spannungen und Niedergeschlagenheit machen sich breit. Die Gruppe beginnt zu zweifeln, ob sie hier je wieder herauskommen wird. Nur Mambeleme macht allen Mut: "Immer weiter. Wir schaffen es."
In einem Lager namens Ekania am Oberlauf des Mambili legen Fay und sein Team eine Pause ein, um sich mit Nachschub zu versorgen. Das Camp liegt im Odzala-Nationalpark, einer einzigartigen Landschaft im Kongo. Der Park ist bekannt für seine großen Elefanten- und Gorillapopulationen, die man in Urwaldlichtungen, Baien genannt, sehen kann. Hier, im Kongo gibt es Menschenaffen noch in großer Zahl. Jenseits des Flusses Ivindo im benachbarten Gabun sind sie anscheinend fast verschwunden.
Am 292. Tag seiner Expedition, treffe ich J. Michael Fay im Minkebé-Waldgebiet im Nordosten von Gabun wieder. Es ist eine der letzten noch verbliebenen Wildnisregionen in Zentralafrika. Seit dem Grenzübertritt hat er nicht mehr das Brusttrommeln der Gorillas gehört, und nur ein einziges Mal ist er auf Gorilladung gestoßen. Elefanten gibt es in Hülle und Fülle, ebenso Ducker (Schopfantilopen), Affen und Schweine. Nur die Gorillas fehlen; Fay meint, das Ebolavirus habe sie dahingerafft. Vier Monate Fussmarsch liegen noch vor Fay - wenn's gut geht. Er ist abgemagert, wirkt aber kräftig.
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