Nichts scheint in Rödelheim ferner als der Tropenwald. Der triste Vorort im Westen der Geldmetropole Frankfurt ist auf vier Seiten von Autobahnen umzingelt. Abgase schlagen sich grau auf die rostende S-Bahn-Station nieder. Doch im dritten Stock eines plattenbauähnlichen Bürohauses, am Ende eines grauen Flurs, führt eine Tür direkt in den Dschungel. Frieder Stede öffnet selber. Er ist der Generalsekretär der deutschen Tropenwaldstiftung Oro Verde - übersetzt: "Grünes Gold". Oro Verde hilft der Bevölkerung tropischer Regionen, ihre Naturschätze zu nutzen, ohne sie zu verbrauchen.
Rund zwei Millionen Mark kann Oro Verde jedes Jahr ausgeben, damit Einheimische ohne Kettensägen und Bergbau vom Reichtum ihrer Umwelt leben können. Der größte Teil stammt von den 25000 registrierten Spendern und Paten der Stiftung. Oro Verde hat in einem Pilotprojekt bislang mit vier Dörfern auf den Inseln Batanta und Salawati - sie gehören zur Provinz Irian Jaya, dem indonesischen Teil von Neuguinea - Vereinbarungen ausgehandelt. Die Papua wollen ihr Geld künftig von einfachen Unterkünften verdienen, durch den Verkauf von Obst und Gemüse, als Träger und Führer. Der Ökotourismus soll den Einheimischen eine Alternative bieten. Außerdem soll er helfen, den dort lebenden Tieren, wie beispielweise dem katzenroßen Tüpfelkuskus auf Irian Jaya, ihren Lebensraum zu erhalten.
"Maximal" 1000 Touristen im Jahr, schätzt Michael Metz, Projektleiter von Oro Verde, wird die Region der vier Dörfer auf Batanta und Salawati einmal verkraften können, ohne Schaden zu nehmen. Sollte das Interesse größer werden, fügt er hinzu, "gibt es noch sehr viele Inseln, auf die man dieses Modell übertragen kann, ohne den Tourismus an einem Ort zur Belastung werden zu lassen. Aber vielleicht wollen die Einheimischen, die sich heute um ihren Regenwald sorgen, dann ja gar nicht mehr zulassen, dass Touristen zu anderen Inseln geschippert werden.
"Sollen wir denen", fragt Stede, "die uns um Hilfe bitten, absagen aus Angst, ein Ventil zu öffnen, das sich vielleicht nicht mehr schließen lässt? Was wäre die Alternative?" Er muss es nicht aussprechen: Kettensäge und Kiesabbau. Nicht in der Zukunft. Jetzt.
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