Bild: Maria Stenzel Vergrößern
Kurz vor dem Kraterrand hält Rick Aster einen Moment lang inne, um uns zu warnen: "Versuchen Sie nicht, wegzurennen, wenn der Vulkan ausbricht. Bleiben Sie ganz ruhig stehen, schauen Sie nach oben, und machen Sie sich darauf gefasst, jeden Moment zur Seite zu springen, wenn irgendetwas auf Sie zukommt. Dieses Ding kann Lavabomben von der Größe eines Sofas spucken." Wir befinden uns auf dem Gipfel des Mount Erebus, eines mächtigen Vulkans, der vor der östlichen Antarktisküste beinahe vier Kilometer über dem Rossmeer aufragt. "Nausea Knob", was so viel bedeutet wie "Ekelknubbel", haben die Vulkanologen diesen Berggipfel am Ende der Welt getauft.
Der scharfe Gestank von Schwefelwasserstoff und Salzsäure macht mir, zusammen mit der großen Höhe, das Klettern schwer. Doch als ich über den Kraterrand in einen qualmenden Abgrund von 600 Meter Durchmesser und mehr als 200 Meter Tiefe blicke, weicht das flaue Gefühl im Magen einer großen Ehrfurcht. Tief unten zischen heiße Fontänen, und ätzender Dampf aus Gesteinsspalten färbt die Felsen grünlich-gelb. Nahezu unsichtbar hinter den aufwirbelnden Schwaden liegt auf dem Grund der Grube ein Lavasee.
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Plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung fängt die schmutzig orangefarbene Masse an zu kochen, und der Berg grummelt im tiefsten Basston einer riesigen Orgelpfeife. "Diese Lava brodelt seit Jahrzehnten, vielleicht schon seit Jahrhunderten", erklärt mir mein Begleiter. "Sie schauen gerade in einen der wenigen ununterbrochen aktiven Lavaseen der Welt. Dies ist ein Fenster zu Vorgängen, die sich kilometertief unter der Erdoberfläche abspielen." Zögernd wende ich mich vom Krater ab und lasse den Blick schweifen. Um mich herum erstreckt sich eine unendliche Welt aus Eis und Schnee. Es ist spät am Abend und trotzdem so hell, dass der 360 Kilometer entfernte vereiste Gipfel des Mount Melbourne zu sehen ist. Blassgoldenes Sonnenlicht schimmert auf einem Gletscher. Feierliche Stille liegt über dem Land.
So etwas wie Antarktika gibt es sonst nicht mehr: Dieser ungezähmte Kontinent gewährt Wissenschaftlern einzigartige Einblicke in die Aktivitäten der Erde - Vulkanismus, schnell gleitende Gletscher, mehr oder weniger starke Eisdecken, die sich allmählich Richtung Küste bewegen. Fallwinde rasen mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde das Polarplateau herunter. An den einsamen Inseln vor der Antarktischen Halbinsel brausen Böen mit enormer Kraft und brechen sich gewaltige Wellen.
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Das Landesinnere mag wie ein steriler leerer Raum wirken, wo die Temperaturen auf minus 80 Grad fallen, doch die eiskalten Meere rings um den Kontinent gehören zu den artenreichsten Gewässern der Welt. Die Antarktis beeinflusst das Wetter in der südlichen Hemisphäre, formt weltweit wichtige Meeresströmungen - und sie ist ein ideales Labor für Wissenschaftler, um den Einfluss des Menschen auf unseren Planeten zu untersuchen.
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