Gekürzter Nachdruck des Beitrags aus dem amerikanischen NATIONAL GEOGRAPHIC-Dezember-Heft 1991
Fast 50 Jahre sind vergangen, seit die Bomben auf Pearl Harbor fielen. Die warme Morgendämmerung breitet sich über dem Meer aus. Sie enthüllt den weißen, steinernen Schrein, der die gesunkene Arizona überspannt. Auf einer Marmorwand treten 1177 Namen aus der Dunkelheit hervor: Bates, Crowley, Kidd, Lake, Moore, Van Valkenburgh... Es sind die Gefallenen der "Arizona" - der Kapitän und die Mannschaften, der Admiral und die Schiffskapelle, Dutzende von Brüderpaaren und ein Vater, der zusammen mit seinem Sohn den Tod fand. Hier haben sie ihre letzte Ruhestätte gefunden, die Männer, die mit ihrem Schiff untergingen.
Es ist 7.55 Uhr. Wie an jedem 7. Dezember kommen auch in diesem Jahr Boote von der Küste aufs Meer gefahren. Sie haben Blumen an Bord, die auf dem Wasser verstreut werden. Bei den Gedenkfeiern im U.S.S. Arizona Memorial werden sich die Menschen an Pearl Harbor erinnern. Unter ihnen werden Männer und Frauen sein, die damals dabei gewesen sind, inmitten der Flammen und Schreie. Unter ihnen werden Angehörige von Menschen sein, die jenen Tag überlebten und danach im Krieg oder Frieden starben. An diesem Ort sammeln sich die Szenen und Geräusche jenes Morgens, des 7. Dezember 1941, der, wie Präsident Franklin D. Roosevelt sagte, als "Tag der Schande fortleben wird".
Meine Reisen führten mich nach Japan. Dort sprach ich mit dem Offizier, der das tora-Signal für den Überraschungsangriff erdachte, und mit Ijoso Fudschita, einem der wenigen noch lebenden japanischen Piloten. In Albuquerque, New Mexico, lernte ich beim Jahrestreffen der Vereinigung von Pearl-Harbor-Überlebenden viele ihrer 13000 Mitglieder kennen. Und ich traf Menschen, die Erinnerungsstränge miteinander verweben, indem sie amerikanische und japanische Überlebende zusammenführen.
"Ich erinnere mich an das Krachen der Bomben und das Jaulen der Flugzeuge, an die Trümmer der explodierenden Schiffe und die dicken Rauchwolken überall. Wir waren geschockt, verängstigt und wütend", erinnert sich Mary Ann Ramsey, die Tochter des Fregattenkapitäns Logan C. Ramsey. Er war der Kommandeur, der die Nachricht durchfunkte: "Luftangriffe auf Pearl Harbor! Dies ist keine Übung!".
Der 7. Dezember in Pearl Harbor, ein halbes Jahrhundert danach. Schweigend verharren die Menschen am Arizona Memorial. Die Reden sind gehalten, die Blumen gestreut. Eine Weile liegen die Blüten noch leuchtend auf dem ölig schillernden Wasser - als Erinnerung an einen Tag des Feuers und des Todes.
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