Es werde Licht

Artikel vom 01.10.2001  —  Autor: Joel Achenbach

Am Anfang war das Licht. Und auch am Ende wird es Licht geben, wenngleich es dann vermutlich nur noch glimmt. Licht durchdringt das ganze Universum. Licht ist selbstverständlich - und dennoch für die Wissenschaft immer noch voller Rätsel. Physiker haben die Atome, die Bausteine des Universums , in immer kleinere und exotischere Teile zerlegt, aber das Licht lässt sich nicht spalten. Licht ist Licht - klar und doch kompliziert. Niemand weiß, wie man es beschreiben soll. Ist es eine Welle? Besteht es aus Teilchen? Ja, sagen die Wissenschaftler. Es ist beides.

Suchen Sie mal im Internet unter dem Stichwort "Photonen". Als Photon bezeichnet man Licht, wenn es sich wie ein subatomares Teilchen verhält. Wie sich herausstellte, sind Photonen eine ganz heiße Sache. Sie sind gerade dabei, die Elektronen als das bevorzugte Werkzeug der Informationsindustrie zu verdrängen. Licht wird heute von der Telefontechnologie bis hin zur Augenchirurgie eingesetzt. Licht könnte zur wichtigsten Energiequelle in der Raumfahrt werden: Ein Raumschiff mit Lichtantrieb wäre mit einem ultradünnen Segel ausgestattet, das den "Lichtwind" einfängt, den ein Laser auf der Erde sendet. Theoretisch könnte ein solches Raumschiff ohne eigenen Brennstoff beschleunigen, bis es selber einen ordentlichen Teil der Lichtgeschwindigkeit erreicht hätte.

Je länger man sich mit diesem Thema beschäftigt, desto deutlicher erkennt man: Es gibt keinen Teil unseres Lebens - von der Technik über die Medizin bis zur Philosophie -, der nicht vom Licht beeinflusst wird.

Aber was genau ist nun Licht? Was wir Licht nennen, ist in Wahrheit das Gleiche wie Radiowellen, Gammastrahlung oder Röntgenstrahlen - nur in einem anderen Wellenlängenbereich. In der Praxis wenden Wissenschaftler den Begriff "Licht" oft auf jenen Teil des elektromagnetischen Spektrums an, den unsere Augen wahrnehmen.

Das sichtbare Licht unterscheidet sich von allen anderen grundlegenden Elementen des Universums: Es hat einen direkten und regelmäßigen Einfluss auf unsere Sinne. Jedes Auge verfügt über etwa 125 Millionen Stäbchen und Zapfen. Diese besonderen Zellen sind so empfindlich, dass manche von ihnen schon auf wenige Photonen reagieren. "Etwa ein Fünftel des Gehirns beschäftigt sich ausschließlich mit der sichtbaren Welt um uns herum", sagt der Physiker Sidney Perkowitz von der Emory-Universität in Atlanta, Georgia. Unsere Augen sind so konstruiert, dass sie die Sorte Licht erkennen, die im Überfluss von der Sonne ausstrahlt, also jenem Stern, der auf unserem Planeten Leben ermöglicht.


(NG, Heft 10 / 2001)
  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus