Unter dem glutroten tropischen Abendhimmel hocke ich in Thailand am Rand einer Klippe auf dem Khao Luk Chang, dem "Elefantenbaby-Berg". Unmittelbar vor mir flattern Tausende von Bulldogfledermäusen aus ihrer Höhle . Sie jagen die nachtaktiven Insekten im Wald unter sich.
Menschliche Augen nützen in dieser Umwelt wenig, hier sind andere Fähigkeiten gefragt: Die Fledermäuse orientieren sich mit ihrem Echolot, die Koboldmakis mit ihrem scharfen Gehör und den äußerst lichtempfindlichen Augen, die Zibetkatzen mit ihrem ausgezeichneten Riechvermögen. Ich wünschte, meine Sinne könnten Ähnliches leisten. Wenigstens kann ich meine eingeschränkte menschliche Wahrnehmung durch Technik ein wenig wettmachen. Ausgerüstet mit Scheinwerfern, Blitzlicht, Infrarotkamera und Nachtsichtgerät, mache ich mich nach Einbruch der Dunkelheit auf in den Regenwald . Auch in diesen Stunden umgibt mich eine vielfältige Lebenswelt -mit ganz anderen Arten als am Tag.
Ich habe nachtaktive Tiere in vielen tropischen Regenwäldern Südostasiens fotografiert, unter anderem in Thailand, Malaysia und Indonesien . Die Tierwelt ist hier ähnlich reich wie in Afrika und Südamerika, aber der Dschungel Asiens schrumpft durch legale und illegale Abholzungen derzeit am schnellsten. Noch hat die Dunkelheit hier allerdings viele Überraschungen parat, ob ich nun einen Urwaldpfad entlangschlendere und eine stachelige Raupe entdecke, die sich an wilden Ingwerblättern gütlich tut, oder ob ich mit Kollegen zur nächtlichen Erkundung in die Wipfel des Regenwalds von Borneo klettere. Nur wenige Menschen haben die hiesige Tierwelt je zu Gesicht bekommen, und wenn wir den urtümlichen Wald nicht schützen, könnte es hier bald nichts mehr zu sehen geben. Nur wenn wir schnell handeln und die Restbestände erhalten, können auch künftige Generationen noch über die Wunder der Urwaldnacht staunen.
Mit aufgerissenen Augen starrt der Malaienkauz in mein Blitzlicht. Mit seinem hervorragenden Sehvermögen kann er nachts durch den Wald fliegen, aber wie die Koboldmakis spürt er seine Beute - Mäuse, Eidechsen, Frösche, große Insekten - auch mit seinem empfindlichen Gehör auf. Gut getarnte Falter überleben die Zeit des Tageslichts, weil sie wie Laub oder Baumrinde aussehen. Paarungspartner und Nahrung suchen sie nachts mit ihrem Geruchssinn.
Viele Blüten öffnen sich erst abends für die Falter und verströmen einen fast betäubenden Duft. Der lockt die zur Bestäubung notwendigen Insekten aus großer Entfernung an. Aus der Nähe sind dann die meist hellen Blütenblätter auch bei schwachem Licht leicht auszumachen. Solange dieser Wald unversehrt bleibt, lässt jeder nächtliche Spaziergang den Besucher neue Wunder erleben.
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