Galápagos - Paradies in Gefahr

Artikel vom 01.02.2001  —  Autor: Peter Benchley

Auf dem Sandboden einer stillen Inselbucht, rund 1000 Kilometer von der südamerikanischen Westküste entfernt, lebt ein ganz besonderer Fisch. Ganz oben am Kopf trägt er einen hornähnlichen Auswuchs, der mit winzigen Stacheln besetzt ist. Die Flossen, die knorrigen Gliedmaßen ähneln, dienen dem Fisch als Stütze, und wenn er sich fortbewegt, dann durch eine Art Hüpfen und Springen. Er heißt Ogcocephalus darwini, die Darwin-Seefledermaus.

Auf einer anderen Insel im Norden des Archipels lebt ein Vogel, kaum größer als ein Spatz. Um sich zu ernähren, landet er auf dem Rücken von Tölpeln und hackt dort so lange, bis er seinen Wirt verletzt hat. Dann trinkt er dessen Blut. Es ist ein Fink, und wegen seiner Fressgewohnheiten nennt man ihn den "Vampirfink". Und dann die Reptilien dieser Inseln. Die Galápagos-Meerechse hat einen Schuppenpanzer, ein ausgesprochen übles Temperament und gehört zur einzigen im Meer lebenden Leguanart der Welt.

Diese drei seltsamen Tiere und weitere 1500 Arten, darunter uralte Riesenschildkröten, haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind auf den Galápagosinseln im Pazifik heimisch, einer Handvoll geologisch junger und teilweise noch aktiver Vulkane. Die 13 großen und sechs kleinen Inseln, 42 Inselchen und unzählige Felsen bilden die westlichste Provinz Ecuadors.

In grandioser Abgeschiedenheit leben mehr als 5000 biologische Arten. Fast die Hälfte aller Vogelarten, 32 Prozent der Pflanzen, 25 Prozent der Fische, 90 Prozent der Reptilien und 46 Prozent der Insekten, die auf den Galápagosinseln zu finden sind, gibt es sonst nirgendwo auf der Welt.

"Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass Inseln, die meisten von ihnen in Sichtweite voneinander und aus genau demselben Gestein gebildet..., unterschiedlich besiedelt sein könnten", schrieb Charles Darwin.

1978 wurde der Galápagosarchipel von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Die Inseln sind ein Nationalpark, und das Meer um sie herum ist das zweitgrößte Meeresschutzgebiet der Erde. Aber der kostbare Schatz der Natur leidet und ist in Gefahr. Denn Ende der sechziger Jahre begann der Galápagos-Tourismus - und mit ihm reiste die moderne Welt einschließlich aller Möglichkeiten und Probleme auf diese Inseln. Die Einnahmen stiegen, aber ebenso wuchsen Umweltverschmutzung, Korruption, Missmut und Kriminalität. Dazu kamen in jüngerer Zeit verheerende Wetterkatastrophen wie das Klimaphänomen El Niño. Das Weltnaturerbe steht kurz davor, offiziell für bedroht erklärt zu werden.


(NG, Heft 2 / 2001)
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