Von Wissenschaftlern und Sammlern sind sie gleichermaßen geschätzt: die prachtvollen Goldkäfer der Gattung Chrysina. Die prächtigen Käfer locken natürlich auch kommerzielle Sammler an. Ein leuchtend rotes Exemplar kann umgerechnet 500 Mark bringen, ein goldfarbenes mehr als 1000. Naturschützer fürchten deshalb, dass der Handel diese Käfer bedrohlich dezimieren könnte. Die Untersuchungen, die der Entomologe David Hawks und ich durchführen, kommen zu dem Ergebnis, dass für den Bestand wohl keine Gefahr droht.
Der Lebensweg eines Goldkäfers beginnt bescheiden. In verrottende Baumstümpfe legen die Weibchen einige Dutzend Eier, deren Entwicklung sie dem Schicksal überlassen. Nach dem Schlüpfen graben sich die Engerlinge in das Holz und ernähren sich von Zellulose, die sie mit Hilfe symbiotischer Bakterien und Pilze verdauen. Nach einem Jahr formen die Engerlinge im verrottenden Holz Kammern und verpuppen sich darin. Im Mai, wenn die Regenzeit einsetzt, schlüpfen die Käfer - blass und weich. Erst in den nächsten Stunden entwickeln sie ihre herrlichen Farben. Wir vermuten, dass die ausgewachsenen Käfer anschließend drei Monate in den Baumkronen leben. Dort fressen sie Blätter, dort paaren und verstecken sie sich.
Insekten sind nicht so rar wie Jaguare. Wenn die Sammler in der Natur ausgewachsene Käfer fangen, bleiben immer noch Millionen von ihren Eiern, Larven und Puppen in der Erde. Und schon ihr Lebensraum schreckt die meisten Interessenten ab. Viele der Nebelwaldhabitate sind nur mit beschwerlichen Fußmärschen zu erreichen; zu anderen kommt man nur per Hubschrauber. Nicht die Hobbysammler bedrohen also die Bestände der Käfer. Diese sind vielmehr durch den Verlust ihres Lebensraums gefährdet.
Immer mehr Tropenwälder werden in Farmland umgewandelt. Wir denken, dass ein kontrollierter Käferfang durch die Bevölkerung - und später einmal die Zucht dieser Insekten - die Waldzerstörung aufhalten könnte.
Erfolgreiche Modelle mit der Züchtung von Schmetterlingen und anderen Insekten haben gezeigt, dass es funktioniert. Dann wird vielleicht auch die Bevölkerung in Honduras feststellen, dass ein Wald voller sechsbeiniger Juwelen ertragreicher ist, als wenn man ihn abholzt.
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