Versteckt in einer Art Baumhaus, beobachte ich nun schon seit sechs Wochen diese Lichtung im Urwald. Aus den Tiefen des dunklen Walds kommen hier meine Forschungsobjekte ins gleißende Licht der Äquatorsonne. Viel Zeit habe ich hier verbracht, gegen den Rat meiner Ärzte, denn meine Hepatitis ist noch nicht ausgeheilt. Aber ich wollte unbedingt Fotos von Lokwe III machen, einer der drei Lichtungen am Fluss Lokwe im Odzala-Nationalpark in der Republik Kongo, die eine erstaunlich vielfältige Tierwelt anzieht.
Die Elefanten sorgen dafür, dass diese Schneisen erhalten bleiben: Sie reißen Bäume aus und durchwühlen den Boden auf der Suche nach mineralstoffreicher Erde. Andere Tiere kommen zum Weiden. Lokwe III ist einer der größten Sammelplätze Westlicher Flachlandgorillas. Ihre Überlebensaussichten haben sich dank des Schutzprogramms Ecofac und der Ausrottung der Wilderei verbessert. Für sie ist die Lichtung eine Art Dorfanger, ein Ort zum Fressen, Spielen, Kraulen und Herumlungern.
Welches Risiko ich eingehe, wenn ich mich einem rasenden Elefanten, einem drohenden Gorillamännchen oder einer Raubkatze in den Weg stelle, ist mir durchaus bewusst. An der Lichtung tarne ich mich am Boden, oder ich klettere auf meinen zehn Meter hohen Hochsitz. An langweiligen Tagen lese ich Romane, knabbere Nüsse und Schokoriegel. Manchmal nicke ich auch ein - und fluche, wenn ich so den majestätischen Auftritt eines Elefanten verpasse. Als ein Bongo in die Waldschneise gestürmt kommt, drücke ich instinktiv auf den Auslöser: So habe ich ein Tier festgehalten, das in dieser Gegend sehr selten ist.
Buch-Tipp: Enzyklopädie der Tiere
Von der Evolutionsgeschichte unserer Fauna bis zu den kuriosesten Spielarten der Natur: In unserer Enzyklopädie der Tiere werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich aufbereitet. mehr...
DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion
blog comments powered by Disqus