An einem Morgen des Jahres 1353 v. Chr. stand ein junger ägyptischer Pharao früh auf, um die Sonne mit einem Gebet zu begrüßen, das er vielleicht selbst verfasst hatte: "Du erscheinst in vollkommener Schönheit am Himmel", sprach er, als sich das Licht über die Hauptstadt Theben ergoss. Für ihn waren die Strahlen der Sonne die Verkörperung eines uralten Gottes namens Aton, den er inbrünstig verehrte. Dies war ein besonderer Morgen. Pharao Amenophis III. war gestorben, und sein halbwüchsiger Sohn besaß nun die Macht, Aton über alle anderen Götter in Ägyptens Pantheon zu erheben - selbst über den allmächtigen Amun, der als König der Götter jahrhundertelang in Theben geherrscht hatte.
Bald würde der junge Mann seinen Namen in Echnaton ändern, "Er, der für Aton wirkt". Mit seiner Gemahlin, der berühmten Nofretete , würde er Ägypten umwälzen und uralte Traditionen zertrümmern. Er würde Nofretete in einen gottgleichen Stand erheben und ihr mehr Einfluss gewähren, als wohl jede andere Königin zuvor besessen hatte. Und er würde Theben verlassen, um eine neue Hauptstadt zu erbauen. Er nannte seine neue Hauptstadt Achetaton, "Horizont des Aton". Ihre Reste liegen nahe dem heutigen Dorf Amarna, das dieser Epoche ihren Namen gab. Im Eifer religiöser Leidenschaft würde das Königspaar das ägyptische Reich an den Rand des Abgrunds führen.
Echnaton, Nofretete und der Knabenkönig Tutanchamun sind die "Pharaonen der Sonne". Ihre Herrschaft war kurz: Echnaton regierte nur 17 Jahre. "Für eine kurze Zeit glaubten die Ägypter, der Sonnengott sei in Gestalt der königlichen Familie auf die Erde zurückgekehrt", sagte Ray Johnson, Amarna-Experte der Universität von Chicago. "Es herrschte eine kollektive Erregung, die in der Kunst und Architektur spürbar wird. Dies ist eine der erstaunlichsten Perioden der Weltgeschichte."
Aber Echnaton hatte Feinde, von Beginn seiner Regentschaft an. Er gab verschwenderisch viel für die dem Sonnengott geweihten Heiligtümer aus. "An seinem Hof herrschte ein Leben im Überfluss", so Ann Russmann vom Brooklyn Museum of Art in New York. Der Unmut über seine Herrschaft nahm zu.
Zürnten vielleicht die Götter diesem ketzerischen Pharao? Das siebzehnte Jahr als König war sein letztes. Er starb mitten in einer Periode des Umbruchs. Niemand weiß, wann und wie. Schon bald nach seinem Tod 1336 v. Chr. war die alte Orthodoxie wiederhergestellt. Seine Feinde zerstörten seine Statuen, trugen seine Tempel ab und machten sich daran, jede Erinnerung an ihn und Nofretete aus den Annalen zu tilgen. Nach nur drei Jahrzehnten war dieses Zwischenspiel in der ägyptischen Geschichte schon wieder beendet.
DVD-Tipp: Die Welt der Pharaonen
Begeben Sie sich auf Schatzsuche mit der NATIONAL GEOGRAPHIC-DVD Die Welt der Pharaonen. mehr...
DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion
blog comments powered by Disqus