An einen spektakulären Fund glaubte zunächst niemand, am wenigsten die beiden Paläontologen Helmut Tischlinger aus Stammham und Eberhardt "Dino" Frey vom Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe selbst. "Besonders eindrucksvoll sahen die zerbrochenen Jurakalkplatten aus dem Langenaltheimer Steinbruchrevier nun wirklich nicht aus!", so ihr erstes Urteil über die überwiegend noch sedimentbedeckten Saurierknochen . Die jüngst durchgeführte Präparation der Solnhofener Fossilien liefert jedoch gänzlich neue Erkenntnisse über die Anatomie der Pterosaurier: Erstmals beweisen die neuen Fossilfunde, dass die Herrscher am Himmel der Urzeit vermutlich vierfüßig liefen.
Alle Präparationsschritte fanden unter UV-Beleuchtung statt. Nur so konnten neben den vorzüglich erhaltenen Flughautabdrücken bislang unbekannte Weichteilstrukturen im Schädelbereich und an den Füßen zum Vorschein gebracht werden. So legten die Forscher nicht nur die hautartigen Überreste eines bizarren Scheitelkammes - in ähnlicher Form schon von anderen Flugsauriern bekannt - frei, sondern konnten an dem Neufund erstmals hornige Schnabelscheiden an den Kieferspitzen nachweisen.
Besonderes Aufsehen erregen die Hintergliedmaßen des Langenaltheimer Pterodactylus: Zwischen Mittelfuß- und Zehenknochen wurde hier noch eine Zwischenhaut entdeckt. Neu für die Gattung sind zudem die sichelförmig gebogenen Hornscheiden an den Zehen sowie die beschuppten Sohlen- und Fersenpolster.
Nahezu zeitgleich mit der Bearbeitung des Neufundes aus den Solnhofener Plattenkalten wurden am Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe Weichteilstrukturen an neuen Flugsaurier-Funden aus Brasilien freipräpariert.
Sie bestätigen auf beeindruckende Weise die Befunde an dem Langenaltheimer Exemplar. Durch diese Erkenntnisse kann die seit mehr als 150 Jahren andauernde Diskussion darüber, ob sich die Flugsaurier auf zwei Beinen wie die Vögel oder auf vier Beinen wie die Fledermäuse fortbewegten, als zugunsten der vierfüßigen Fortbewegung entschieden gelten.
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