Elegant und mit fließenden Bewegungen schwimmt ein Atlantisches Walross im Licht der arktischen Sonne . Für diesen Unterwasserblick auf die an Land so schwerfälligen Tiere war viel Geduld notwendig. Meine ersten Versuche im kanadischen Foxebecken, diese schwierigen Foto-Objekte mit der Kamera einzufangen, scheiterten an ungeeigneter Ausrüstung und widrigen Wetterbedingungen .
Die Ausbeute von vier Reisen, die ich 1994 ins Nordpolargebiet gemacht hatte, war kläglich: ein einziger Fototag. Als ich aber im Jahr 2000 nach Igloolik im kanadischen Nunavut-Gebiet reiste, war das Meer oft so glatt wie blaues Glas. Meine Begleiter, zwei Inuit , hielten unser Siebenmeterboot geschickt von den gefährlichen Strömungen zwischen den Eisschollen fern. Der Lohn waren Fotos, wie sie nur selten gelingen: Eisbären , die eine Walrossherde angreifen; Weibchen, die zärtlich ihre erst wenige Stunden alten Jungen versorgen.
Walrosse können bis zu 100 Meter tief tauchen und bis zu zwölf Minuten unter Wasser bleiben. Bei einem Durchschnittsgewicht von 1000 Kilo haben sie gewaltigen Appetit. Mit den steifen Barthaaren suchen sie am Meeresboden nach Nahrung - Muscheln und andere Schalentiere -, die sie mit den Lippen festhalten, um das weiche Innere herauszusaugen. Ihre Stoßzähne können aber mit gewaltiger Kraft zustoßen, so dass sich die natürlichen Feinde - Mörderwale und Eisbären - nur selten an ein erwachsenes Walross heranwagen. Trotzdem stürmte ein solcher weißer Riese einmal aus heiterem Himmel dicht an mir vorbei, verschwand in einer Walrossherde und erlegte ein Tier.
Jahrhundertelang richteten Fangschiffe, die das Fett zu Öl und die Stoßzähne zu Elfenbein verarbeiteten, unter den Walrossen ein regelrechtes Gemetzel an, und die Bestände gingen schließlich stark zurück.
Dank des 1972 verabschiedeten US-Gesetzes zum Schutz der Meeressäuger wächst die Population im Atlantik wieder: Heute leben hier 10000 bis 50000 Tiere; im Pazifik 200000. Nur den Inuit ist die Jagd gestattet, aber jede Familie darf pro Jahr höchstens vier Tiere erlegen. Das Walross ist eng mit ihrer Kultur verbunden: Es liefert nicht nur Nahrung, sondern auch Material für Kleidung, Behausung, Werkzeuge und Waffen. Das Angebot der Inuit, doch einmal von dem delikaten Walrossfleisch zu probieren, lehnte ich höflich ab. Ich blieb lieber bei Fertignudeln, Schokoriegeln - und den fotografischen Leckerbissen.
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