Die Hysterie ist vorbei - die Sorge bleibt. Mehr als ein Jahr nach dem Anschlag auf das World Trade Center und den Angriffen mit tatsächlichen (in den USA) und vermeintlichen (in Deutschland) Anthraxsporen liefern Feuerwehr und Polizei immer mal wieder verdächtige Briefe im Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) und im Bernhard-Nocht-Institut (BNI) in Hamburg ab. "Für deren Untersuchung sind wir gut gerüstet", sagt BNI-Direktor Bernhard Fleischer.
Für Entwarnung gibt es aber keinen Anlass. Überall in Deutschland befassen sich Katastrophen- und Zivilschutz, Feuerwehr und Polizei, Bundeswehr und Ärzteschaft mit möglichen Gefährdungen durch biologische Kampfstoffe. Besondere Sorge bereiten ihnen Anthrax und Pockenviren; sie gehören zum "dreckigen Dutzend" der Biokampfstoffe. Anthrax lässt sich in Sporenform recht leicht verteilen, über Briefe zum Beispiel. Frühzeitig erkannt, ist die ausgelöste Krankheit - der Milzbrand - mit Antibiotika zwar gut zu behandeln; die Verunsicherung kann aber enorm sein, wie sich 2001 in den USA zeigte. Dramatischer sind die hoch ansteckenden Pocken: Sie breiten sich verheerend schnell aus. Manche Experten halten gar Szenarien wie in dem Spielfilm "Outbreak" für denkbar: abgesperrte Städte, Menschen, die mit Gewalt daran gehindert werden, sie zu verlassen.
Ende 2001 hat die deutsche Bundesregierung in der Schweiz insgesamt sechs Millionen Impfdosen gegen Pocken gekauft - eine der Maßnahmen, um gegen Terrorangriffe gewappnet zu sein. Gegen Pocken kann mit einigermaßen gutem Erfolg noch während der Inkubationszeit geimpft werden. RKI-Präsident Reinhard Kurth fordert deshalb, Vorräte für die gesamte Bevölkerung anzulegen.
Ob es dazu kommt, hängt unter anderem von der Finanzierung ab. Zivilschutz ist Bundesangelegenheit, Katastrophenschutz Sache der Länder. Darüber, wie mögliche terroristische Angriffe zu bewerten sind und wer die Impfdosen bezahlen muss, liegen beide im Streit. Das RKI hält es zudem für notwendig, dass Deutschland wieder die Produktion von Pockenimpfstoff aufnimmt.
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