Es sind eigentlich nur zwei kleine Flecken Land, aber sie stehen seit Jahren im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit: der Gazastreifen und das Westjordanland, seit dem Sechstagekrieg im Juni 1967 von Israel besetzt. Der Gazastreifen am Mittelmeer grenzt an Ägypten und ist nur 42 Kilometer lang. Hier leben 1,1 Millionen Palästinenser und 7000 israelische Siedler, die allerdings 25 Prozent des Gebiets beanspruchen. Die Durchquerung des Westjordanlands auf der Straße Nr. 60, die von Norden nach Süden durch die historischen Städte Dschenin, Nablus, Bethlehem und Hebron führt, dauert vier Stunden. Die Fahrt von Osten nach Westen, auf einer der modernen Schnellstraßen, die das Land vom Jordan bis zur "Grünen Linie" durchqueren, der Grenze zwischen dem Westjordanland und Israel, könnte etwa 30 Minuten dauern. Aber für die Menschen, die dort leben, gelten andere Maßstäbe, was Zeit und Entfernung angeht.
Den 2,2 Millionen palästinensischen Einwohnern des Westjordanlands und Ostjerusalems ist die Benutzung des größten Teils der Straße Nr. 60 - und vieler anderer Verkehrswege - praktisch verwehrt. Diese Straßen wurden eigens für die 376 000 Israelis gebaut, die sich in den vergangenen 35 Jahren hier angesiedelt haben. Palästinenser, die von Ramallah nach Jericho fahren wollen, müssen sich für die rund 40 Kilometer einen ganzen Tag, wenn nicht sogar mehrere Tage Zeit nehmen, um alle Straßensperren und Kontrollpunkte der Israelis zu passieren.
Viele Völker, die in der Vergangenheit hier gelebt haben, taten dies ohne solche Schwierigkeiten. Ein Bündel von Briefen belegt es. Sie wurden vor 40 Jahren in einer Höhle in der Judäischen Wüste gefunden, nahe der Südgrenze des Westjordanlands. Sie beschreiben unter anderem den Alltag von Babatha, einer Jüdin aus dem 2. Jahrhundert.
Babatha erzählt vom friedlichen Miteinander von Juden und Arabern. Und noch vor 100 Jahren war es normal, dass Juden, Christen und Araber ihre religiösen Feste gemeinsam feierten. Erst im 20. Jahrhundert, mit dem Beginn des Nationalismus, endete die Harmonie.
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