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Hitze. Sumpf. Und Mücken . Viele Mücken. Das alles fällt Steven Wiersma sofort auf, als er im Sommer 2001 in der ländlichen Gegend von Sirmans aus dem Auto steigt. Alles hier ist typisch Florida - mit einer Ausnahme. Ihretwegen ist Wiersma, oberster Seuchenwächter des Bundesstaats, gekommen. Die Innereien der hier schwärmenden Mücken sind voller Viren aus einem weit entfernten Land. Viren, die bis 1999 nie in der westlichen Hemisphäre aufgetaucht waren. Der Erreger - er ist nach seiner Heimat, dem Westnil-Distrikt in Uganda, benannt - hat in den USA ein Schlaraffenland gefunden: viele Vögel, in denen er sich fortpflanzen kann, und viele Mücken, die das Virus von Vogel zu Vogel weitertragen. Oder, wie es jetzt schon regelmäßig geschieht, von Vögeln zu Menschen.
Etwa zu dem 73-jährigen Seymore Carruthers aus Sirmans, der gerade mit einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) in einer Klinik in Tallahassee im Koma liegt. Eine infizierte Mücke hat ihn gestochen. Der Erreger war zwei Jahre zuvor im Bundesstaat New York angekommen und hat inzwischen das Festland der USA bis fast in den äußersten Süden erobert. Das Virus macht sich bevorzugt im Schönwettergürtel der Nation breit, wo so viele Mücken und so viele Rentner leben - ältere Menschen, deren Organismus besonders schlecht in der Lage ist, eine Virusinfektion abzuwehren.
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Als Wiersma sich umsieht, wird ihm schnell klar, was Carruthers zum Verhängnis geworden ist: Mücken brüten in stehenden Gewässern, und davon gibt es hier jede Menge - eine unmittelbare Folge der dichten Besiedlung und der menschlichen Aktivität. Da sind nicht nur die natürlichen Sümpfe der Gegend. In Planen, die über landwirtschaftliche Geräte und Baumaschinen gebreitet sind, glitzern Regenwasserpfützen. Überall in den Hinterhöfen stehen gefüllte Eimer. In jedem kleinen Tümpel wimmelt es von Mückenlarven. "Wo diese Menschen leben, gehören Mückenstiche zum Alltag", sagt Wiersma. "Früher hat das keine große Rolle gespielt. Aber jetzt gewinnt es immer mehr an Bedeutung."
Die jüngste, völlig unerwartete Epidemie der Westnil-Enzephalitis war für die Gesundheitsbehörden der Vereinigten Staaten eine erschreckende Erfahrung. Sie waren darauf ebenso wenig vorbereitet wie ihre Kollegen in Osteuropa, wo das Westnil-Virus Ende der neunziger Jahre plötzlich auftauchte und vor allem in Rumänien an die 500 Menschen erkranken und mindestens 39 sterben ließ.
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In den USA haben sich nach offiziellen Schätzungen schon mehrere zehntausend Amerikaner infiziert. Mehr als 2000 sind erkrankt, rund ein Dutzend an der Krankheit gestorben. Dabei ist die Westnil-Enzephalitis noch relativ harmlos im Vergleich zu vielen weit übleren Infektionskrankheiten, die rund um den Globus neu oder wieder auftauchen - einschließlich jener, die von Bioterroristen absichtlich verbreitet werden.
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