Die Ware Mensch

Artikel vom 01.08.2002  —  Autor: Colin Palmer  —  Bilder: Maggie Steber

Die Geschichte des Sklavenhandels beginnt mit Christoph Kolumbus' folgenschweren Reisen nach Amerika. Der erste Mensch afrikanischer Abstammung, der nachweislich amerikanischen Boden betrat, kam 1492 mit der Mannschaft des großen Entdeckers in die Neue Welt. Anscheinend ein freier Mann, vermutlich ein mulato aus Spanien. Auf Kolumbus ' zweiter Reise gingen 1494 mindestens zwei weitere Schwarze auf der Insel Hispaniola an Land, wo die Spanier ihre erste Siedlung errichtet hatten.

Dennoch gibt es keinen Beleg dafür, dass die Spanier schon zu Beginn ihrer Kolonisierung der Karibik planten, afrikanische Sklaven für sich arbeiten zu lassen. Ursprünglich waren die Eingeborenen dafür vorgesehen. Doch Krankheiten wie Pocken, Masern und Typhus - aus Europa eingeschleppt - dezimierten die indianische Bevölkerung dramatisch. Die spanischen Siedler mussten sich also anderswo nach Menschen umsehen, deren Arbeitskraft sie ausbeuten konnten.

Atlantischer Sklavenhandel

Bild: Christoph A. Klein (Kartenzeichnungen), Jerry Pinkney (Illustrationen), NGs Cartographic Division/NGD Vergrößern

Mit der Sklaverei waren die Spanier bereits vertraut. Seit langem versklavten sie Juden , Slawen, Afrikaner und eigene Landsleute.

Zwar bezeichnete die spanische Gesetzgebung diese Praxis als "das Übelste und Abscheulichste, was Menschen einander antun können". Gleichwohl erteilte das spanische Königspaar Ferdinand und Isabella im Jahr 1501 den Siedlern die Erlaubnis, schwarze Sklaven in die Neue Welt zu importieren.

Von Hispaniola breitete sich der Einsatz afrikanischer Zwangsarbeiter rasch auf die Inseln Kuba, Puerto Rico und Jamaika aus und etablierte sich schließlich im gesamten spanischen Amerika. Wie viele Menschen insgesamt als Sklaven auf den amerikanischen Kontinent gebracht wurden, lässt sich nicht genau sagen. Wissenschaftler schätzen ihre Zahl auf zehn bis zwölf Millionen.

Verfolgen Sie das Schicksal des Sklavenschiffes Henrietta Marie und seiner Passagiere im gleichnamigen Artikel auf der Website von NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND.


(NG, Heft 8 / 2002)
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