Fünfmal am Tag erklingt der Ruf dieser Religion. Von Schanghai bis Chicago, von Jakarta bis Timbuktu ist er zu hören, und überall rührt diese wie ein Gesang vorgetragene, an alle Muslime gerichtete Aufforderung zum Gebet die Seelen der Gläubigen.
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Ob sie blechern aus Lautsprechern vom Minarett auf geschäftige Straßen hinabschallt oder in einsamen Wüsten von Kameltreibern gemurmelt wird - stets beginnt sie mit der gleichen Formel auf Arabisch, die die Anhänger der Lehre Mohammeds seit fast 1400 Jahren benutzen: "Allahu Akbar - Gott ist groß!". Es ist der melodische Lobgesang des Islam zu Ehren des Schöpfers. Ungefähr 1,3 Milliarden Menschen - jeder fünfte Erdenbewohner - folgen heute den Inhalten des Islam. Keine andere Religion hat einen so starken Zulauf.
80 Prozent der Muslime leben inzwischen außerhalb der arabischen Länder. Der Islam ist für sie eine persönliche, intime Verbindung zu demselben Gott, den auch Juden und Christen anbeten. Er ist für sie eine Quelle der Kraft und der Hoffnung in einer Welt voller Probleme. Der Begriff Islam stammt aus dem Arabischen und bedeutet "sich Gott hingeben". Seine etymologischen Wurzeln entsprechen denen des Worts salam, Frieden. Das überrascht möglicherweise viele Nichtmuslime, deren Bild dieses Glaubens durch Terroristen verfälscht ist, die im Namen des Islam unglaubliche Verbrechen begehen. "Der Kern des Islam ist der Friede", sagt Jordaniens Prinz El Hassan bin Talal, ein Nachkomme des Propheten Mohammed. Er ist an der Leitung der Weltkonferenz für Religion und Frieden beteiligt und widmet einen erheblichen Teil seiner Zeit der Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen der muslimischen Welt und dem Westen. "Die Unantastbarkeit des Lebens zu respektieren, das ist einer der Eckpunkte unseres Glaubens und aller großen Religionen."
Bild: Malcolm Linton (rechts), Reza (links), Steve Raymer/Asia Images (mitte) Vergrößern
Wie das Judentum und das Christentum führt auch der Islam seinen Ursprung auf den Propheten Abraham zurück. Muslime verehren die hebräischen Propheten, und sie betrachten Teile des Alten Testaments und die Evangelien als Bestandteile ihrer Tradition. Sie glauben nicht, dass Jesus der Sohn Gottes ist, aber sie ehren ihn als einen besonders angesehenen Boten Gottes. Der bedeutendste Prophet für sie ist Mohammed, dessen Offenbarungen von seinen Gefolgsleuten aufgeschrieben wurden.
Diese Verse, die bald nach Mohammeds Tod zusammengestellt wurden, bilden den Koran. Sie werden von Muslimen als wörtliche Äußerungen Gottes, als Korrektur und Präzisierung der heiligen Schriften von Juden und Christen angesehen. Die Autorität des Islam basiert allein auf dem Koran, denn der Islam ist ein Glaube ohne etablierte Hierarchie: Es gibt kein Oberhaupt wie den Papst bei den Katholiken. In gewissem Rahmen steht es jedem Gläubigen frei, den Koran auf seine Weise zu interpretieren.
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