Ewiges Erbe

Artikel vom 01.07.2002  —  Autor: Siebo Heinken

Einen solchen Aufmarsch hatte das Wendland noch nicht erlebt. 20 000 Atomkraftgegner versammelten sich am 12. März 1977 auf dem geplanten Baugelände für das Nukleare Entsorgungszentrum nahe dem Dorf Gorleben, das Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) zuvor als Standort für eine Wiederaufarbeitungsanlage sowie als Zwischen- und mögliches Endlager für radioaktive Abfälle bekannt gegeben hatte. Hunderte Protestmärsche und Blockaden folgten. Und wann immer heute Behälter mit Atommüll in den Landkreis Lüchow-Dannenberg rollen, müssen Tausende Polizisten aufgeboten werden, um sie ans Ziel zu geleiten.

Der Salzstock von Gorleben ist trotz mancher erheblicher Zweifel an der Eignung auch weiterhin für die Endlagerung hochradioaktiven Mülls aus Atomkraftwerken im Gespräch. Der Bedarf an einer Deponie ist groß. Die 19 deutschen Atommeiler liefern rund 30 Prozent des Stroms. Sie produzieren Energie, indem Urankerne in einer Kettenreaktion durch den Beschuss mit Neutronen zur Spaltung gebracht werden. So wird viel Wärme freigesetzt, die - in Dampf umgewandelt - Turbinen und Generatoren antreibt. Nach etwa vier Jahren ist das Uran so stark verbraucht, dass die Brennelemente ausgetauscht werden müssen. Wegen ihrer gefährlichen Strahlung müssen sie in tiefen geologischen Formationen "endgelagert" werden.

Jedes Jahr fallen in Deutschland rund 4700 Kubikmeter mittel- und geringstrahlender Abfälle aus Forschungseinrichtungen, der Medizin und der Energieversorgung an. Sie werden in Zwischenlagern der Industrie, unter anderem in Gorleben, deponiert. Für das Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter wird noch 2002 die Genehmigung erwartet. Die Errichtung ist aber auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Ein größeres Problem sind die jährlich 450 Tonnen hochradioaktiven Mülls aus Atomkraftwerken. Viele der Brennstäbe werden zur Zeit noch im englischen Sellafield und im französischen La Hague aufbereitet - also chemisch so behandelt, dass Uran und Plutonium abgetrennt und wieder verwendet werden können. Bisher sind rund 5191 Tonnen dorthin geliefert worden (Stand: 31.12.2000). Die Spaltprodukte werden zu Glas verschmolzen und in Stahlbehälter gegossen. Sie sollen in einem Endlager deponiert werden. Sofern es vorhanden ist.

Informieren Sie sich über Pro und Kontra zur Nutzung der Atomenergie anhand der Internet-Angebote des Informationskreis KernEnergie sowie mit Hilfe der Greenpeace-Argumente.


(NG, Heft 7 / 2002)
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