"Nur Narren klettern zweimal auf den Fudschijama." Meine inzwischen 51 Jahre alten Knie rufen mir dieses Sprichwort schmerzhaft in Erinnerung. 25 Jahre liegt meine Erstbesteigung zurück, aber da bin ich nun wieder, frühmorgens um 2.35 Uhr. Zusammen mit meinem Freund Gerry Curtis. Wir lehnen uns an die tintenschwarzen Hänge, ducken uns vor dem kalten, sandigen Wind. Über uns sehen wir nur die Lichterkette der vielen Berghütten bis hinauf zum Gipfel.
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Curtis ist Professor für japanische Politik an der Columbia-Universität und ein echter New Yorker Stadtmensch. Dies ist sein erster Aufstieg. Und im Moment - erschöpft und mit einem Wanderstab in der Hand - wirkt er bedrohlich missmutig. "Wir haben Glück", sage ich, um eine Meuterei abzuwenden. "Sag bloß. Wieso?", brummt Curtis, während japanische Bergwanderer um uns herumklettern und uns aufmunternd zurufen.
"Na", sage ich, "wir haben zum Beispiel keinen Höhenkopfschmerz." Der entsteht, wenn sich das Gehirn wegen der ungewohnten Höhe ausdehnt und von innen gegen den Schädel drückt. "Es ist nämlich so, dass unser Gehirn im Alter etwas schrumpft. Deswegen haben wir nun weniger Probleme." Curtis nimmt einen Zug aus der Sauerstoffflasche und schaut mich an. "So? Dann muss mein Hirn wohl schon ziemlich geschrumpft sein, dass ich mich zu dieser Tour habe überreden lassen." Ich kann es ihm nicht übel nehmen. Eine Fudschijama-Besteigung ist nicht so einfach, wie viele Leute glauben.
Dennoch drängen Jahr für Jahr während der Klettersaison im Juli und August etwa 400 000 Menschen hinauf zum Gipfel , die meisten unerfahren im Bergwandern. An einem Spitzentag können es 20 000 sein.
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Die altchinesischen Schriftzeichen für den Namen Fudschijama bedeuten "ohne seinesgleichen" - und in der Tat gibt es nichts, was bei den Japanern ein stärkeres Gefühl nationaler Identität weckt. Selbst heute, in einer Gesellschaft, die individualistischer ist als früher. Aber auf den Fudschi will jeder, und bei einer Höhe von 3776 Metern braucht man für den Aufstieg weder Seil noch Steigeisen. Nur Energie, besonders wenn man rechtzeitig oben sein will, um vom höchsten Punkt im Land goraiko zu erleben, den Sonnenaufgang.
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