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"Alle Bäume, alle Pflanzen hier bieten dem Buddha Schirm und Schutz, alle Tiere sind seine Torwächter. Und wie die Wasser des Himmels wird auch diese heilige Quelle nie versiegen." Dongga Luzhui, ein tibetischer Dorfältester aus der chinesischen Provinz Yunnan, beendet seinen Vortrag und verneigt sich vor dem Bäumen, die hoch vor uns aufragen.
Der Hain ist dunkel, uralte Tannen, Eiben, Fichten und Schierlingstannen stehen dicht an dicht. "Noch nie wurde hier ein Baum gefällt, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern", erklärt Luzhui. "In diesen Bäumen wohnt der Geist Buddhas und der Geist der lebenden Buddhas: der Reinkarnationen erleuchteter Meister."
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Ich begleite Luzhui auf einer Wallfahrt zu einem heiligen Wasserfall im Hengduan-Gebirge, unweit der Provinzgrenze zwischen Yunnan und Tibet. Zwei junge tibetische Anthropologen, die die vielen heiligen Stätten dokumentieren wollen, begleiten uns. "Man darf die Bäume nicht anrühren", erklärt mir der Anthropologe Xirao Sangbo. "Und auch nicht alle Tiere jenseits der heiligen Linie, die vor Jahrhunderten von den einheimischen Tibetern gezogen wurde. Alles, was oberhalb der Linie liegt, gehört dem Geist des höchsten Berges. Wer etwas aus diesem Wald mitnehmen will, muss den Göttern viele Gebete darbringen." In den Weiten des Hengduan-Gebirges - in einem Land der mächtigen Bäume, erhabenen Gipfel und rauschenden Flüsse im südlichen Zentralchina - ist dieser Glaube allgemein verbreitet. Und er hat in hohem Maße dazu beigetragen, dass sich an manchen Stellen noch unberührte Wälder erhalten haben. Denn in dem Nebeneinander von hohen Berggipfeln und tiefen Flusstälern hat sich eine der artenreichsten Ökoregionen der gemäßigten Zone auf der Erde entwickeln können.
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In den Hengduan-Bergen, einem Gebiet, das sich über 800 000 Quadratkilometer Fläche von Osttibet bis in die Provinzen Yunnan und Sichuan erstreckt, kommen allein fast 50 unterschiedliche Nadelbaumarten vor. Dazwischen wachsen zahlreiche Ahorn-, Eichen-, Bambus-, Rhododendron-, Flieder-, Primel- und Rosenarten. Eine unserer beliebtesten Gartenblumen, die Königslilie (Lilium regale), wurde hier in einer Schlucht vor nicht einmal 100 Jahren entdeckt. Und in dem rauen, unwirtlichen und unzugänglichen Gebirge überleben bis heute Riesenpanda, Kleiner Panda, Goldstumpfnase, Schneeleopard, Blauschaf und Schwarzhalskranich.
Doch mittlerweile ist der Artenreichtum im Hengduan-Gebirge verschwunden. Vor allem unkontrollierte Rodungen, das Sammeln von Brennholz und die Jagd hatten daran einen maßgeblichen Anteil. Trotz des Schutzes durch die heiligen Stätten sind in den Bergen nur noch weniger als zehn Prozent des ursprünglichen Waldbestands erhalten.
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