Frose und Nachterstedt-Hoym, so heißen die letzten Bahnstationen vor Gatersleben, weit draußen in Sachsen-Anhalt. Hier sprießen auf dem fruchtbarsten Boden Deutschlands, der Magdeburger Börde, Biotechnik-Unternehmen wie Löwenzahn aus einer feuchten Wiese. Bunte Wegweiser mit Aufschriften wie SunGene und TraitGenetics leiten mich über eine Straße namens Hühnerbrücke zu einer Ansammlung denkmalgeschützter Forschungsbaracken und moderner Labors. Mein Ziel ist die Firma Novoplant, ein Ableger des Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK).
Hier keimt die Hoffnung, anders als bisher Impfstoffe gegen einige der großen Menschheitsplagen zu produzieren: Kartoffeln gegen Cholera, Soja gegen Salmonellen, Tomaten gegen Tollwut. Viele Bakterien sind heute gegen Antibiotika resistent. Gegen die meisten Viren gibt es überhaupt noch keinen dauerhaft wirkenden Impfstoff. Und wenn, dann haben die Patienten in den ärFrose und Nachterstedt-Hoym, so heißen die letzten Bahnstationen vor Gatersleben, weit draußen in Sachsen-Anhalt. Hier sprießen auf dem fruchtbarsten Boden Deutschlands, der Magdeburger Börde, Biotechnik-Unternehmen wie Löwenzahn aus einer feuchten Wiese. Bunte Wegweiser mit Aufschriften wie SunGene und TraitGenetics leiten mich über eine Straße namens Hühnerbrückemsten Ländern der Welt kaum eine Chance, damit behandelt zu werden.
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Aber Mitte der neunziger Jahre regte der Biologe Charles Arntzen vom Boyce-Thompson-Institut in Ithaka, New York, an, man solle doch essbare Pflanzen gentechnisch so "nachrüsten", dass sie Antigene produzieren, die das menschliche Immunsystem anregen, Abwehrzellen (Antikörper) gegen Krankheitskeime zu bilden. Arntzens Favorit war die Impfbanane gegen Cholera. Die hat sich inzwischen als untauglich erwiesen: Die Menge der in der Frucht enthaltenen Antigene schwankt zu stark. Besser scheinen sich Tomaten und Kartoffeln, Erbsen und Lein für die direkte Produktion von Antikörpern zu bewähren. Damit experimentieren die Genetiker von Gatersleben.
Schon produzieren Kartoffeln - von Mäusen und Menschen getestet - Impfstoffe gegen Cholera und Diarrhö; Lupinensamen erzeugen Antikörper gegen Hepatitis-B-Viren, die weltweit jedes Jahr rund eine Million Menschen umbringen; Tomaten liefern Mittel gegen Tollwutviren, an denen rund 60 000 Menschen im Jahr sterben.
In Gatersleben steht momentan die Erbse im Fokus. Sie soll Antikörper gegen Salmonellen produzieren. Wenn das gelingt, könnte man diese Erbsen (alternativ auch Sojabohnen) ins Hühnerfutter geben und so die Erreger der Salmonellose abtöten. Für Menschen würde das Risiko, sich den Keim durch ein zweifelhaftes Tiramisu oder ein nicht ganz durchgebratenes Hähnchen einzufangen, deutlich sinken. Die Möglichkeit, essbare Impfstoffe zu züchten, ist bewiesen. Einige Jahre wird es aber noch dauern, bis die Frage an den Apotheker "Haben Sie nicht etwas Pflanzliches?" einen ganz neuen Sinn hat.
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