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Es soll meine letzte große Soloexpedition werden. Ich bin sehr gut vorbereitet, in erstklassiger Verfassung und hoch motiviert. Und erfahren. Im Alleingang habe ich 1994 den Nordpol erreicht und 1997 über den Südpol hinweg die Antarktis durchquert. Als erster Mensch will ich beide Pole allein und ohne fremde Hilfe bezwingen. Und dann das: Nach zwei Tagen lässt mich ausgerechnet der Schlitten im Stich, mit dem ich meine Ausrüstung transportiere. Die Kufen lockern sich, die Kevlarbeschichtung bekommt Risse und wird von den scharfen Kanten des Packeises abgeschliffen. Ich habe eine mörderische Nacht hinter mir. Am Morgen gibt es hier nichts als Eis, kein bisschen Schnee. Und es dauert ewig, bis ich von einigen Meereisblöcken so viel gefrorenes Kondenswasser abgekratzt habe, dass es für einen Kochtopf voller Trinkwasser reicht.
Was mache ich mit dem Schlitten? Drei ganze Tage lang versuche ich, ihn mit improvisierten Werkzeugen zu reparieren. Von Hand bohre ich 262 Löcher und nähe die defekten Teile zusammen. Es funktioniert nicht. Soll ich einen Hubschrauber aus Sibirien rufen, um mich abholen zu lassen, und im kommenden Jahr einen neuen Versuch unternehmen? Oder einen neuen Schlitten anfordern? Eigentlich widerspricht das meinen selber gefassten Regeln.
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Ich entscheide mich für einen neuen Schlitten. Am 12. Tag meiner Expedition trifft er ein. Es kostet mich große Überwindung, nicht einfach mit dem Helikopter zurückzufliegen. In den darauf folgenden Tagen setze ich alles daran, mein Vorhaben mit der alten Entschlossenheit anzugehen. Ich stecke mir kleine Ziele und versuche, jeden Tag mindestens zehn Kilometer weiter nach Norden vorzudringen, ohne allzu sehr vom Kurs abzukommen. Und bemühe mich, wieder Freude an der Einsamkeit zu empfinden. Das ist der Schlüssel zum Erfolg im Eis.
Die Arktis ist viel gefährlicher als die Antarktis: Ich gehe immer über gefrorenes Meereis. Mit den Skiern kann ich mein Gewicht auf einer größeren Fläche verteilen, aber bei Schneegestöber ist sehr schwer zu erkennen, wo das Eis sicher ist. Außerdem ist es oft ziemlich zerklüftet und bis zu acht Metern hoch aufgeschichtet. Wenn ich an eine besonders unwegsame Stelle komme, muss ich die Skier abschnallen. Es ist wie eine Wanderung durch ein Trümmerfeld.
Bild: Kjell Ove Storvik (rechtsmitte und unten) Vergrößern
Zwischendurch messe ich für das Norwegische Polarinstitut immer wieder die Dicke des Packeises. Die Daten sollen später der Erforschung der Erderwärmung dienen. Allmählich spüre ich, wie meine Instinkte erwachen. Ich spüre den Nordwind, und ganz automatisch entscheide ich mich für die beste Route und die sichersten Lagerplätze. Ich habe meinen Rhythmus gefunden.
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