PLZ 25863 - Hallig Langeneß

Artikel vom 01.01.2002  —  Autor: Siebo Heinken  —  Bilder: Michael Lange

Volker Jungbluth sitzt am Tresen der Mamale Bar und entspannt sich. In seinem Mazda, so rot wie das einzige Feuerwehrauto von Langeneß, ist er von der Bandixwarf zur Tadenswarf gekommen. Der Ingenieur arbeitet an seiner Dissertation über Förderanlagen für Stückgüter. Für vier Wochen hat er sich aus Dortmund ins nordfriesische Wattenmeer zurückgezogen. "Hier lenkt mich nichts ab", sagt er und nimmt einen tiefen Schluck aus der Bierflasche. "Und direkt vor meiner Wohnung liegt das Wasser. Das inspiriert."

Die Mamale Bar, etwa auf halbem Weg zwischen der Rixwarf im Westen und der Hunnenswarf zehn Kilometer östlich, ist ein Zentrum des Halliglebens. Seit bald 35 Jahren steht Erich Petersen dreimal die Woche hinter der Theke. Mitte 70 ist er jetzt. Die Kneipe hat er nach seiner Frau benannt, die ihre Besucher so herzlich bewirtete und deshalb zärtlich "Mamale" genannt wurde.

Und weil Gastwirt auf der Tadenswarf zu sein nicht gerade ausfüllt, hat Petersen viel Zeit, um zu basteln. Seine Leidenschaft: Rasenmäher aus einem Kühlschrankmotor und Sensenblättern oder "den kleinsten Kutter an der Küste".

Aus einer Schublade kramt der findige Wirt ein paar Fotos hervor. Sie zeigen ihn in seinem Fischerboot, mit dem er in den Prielen Krabben fängt: Petersen sitzt in einem aufgeschnittenen Ölfass mit Außenbordmotor.

"Schreib bloß nicht, das ist eine Insel", sagen die Leute. Da kennen sie keinen Spaß. Eine Hallig ist eine Hallig - ein in Jahrhunderte langem Prozess aufgeschichtetes, brettflaches Stück Marschland mitten im Watt. Zehn gibt es vor der schleswig-holsteinischen Westküste. Künstlich errichtete Erdhügel - die Warfen - bieten Schutz gegen Hochwasser. 16 bewohnte gibt es auf Langeneß.

Die 116 hier lebenden Menschen sind stur und stolz, wie könnten sie die Abgeschiedenheit sonst ertragen? Ihr Eiland ist ein Kosmos, alles da: Kaufmann und zwei Milchbauern, Kirche und Kneipe, Gemeindeschwester und der Gesangsverein.


(NG, Heft 1 / 2002)
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