Salt Lake Valley - Das Tal der Spiele

Artikel vom 01.02.2002  —  Autor: Lisa Moore LaRoe  —  Bilder: Robb Kendrick

Ein kalter und klarer Wintermorgen in Utah. In der weiten Ebene des Salt Lake Valley treibt eine Rancherfamilie gemeinsam mit Helfern ihre 350-köpfige Rinderherde zusammen. Färsen schießen aufgeregt an jungen Männern in ledernen Überhosen vorbei, laute Rufe und das Hufgetrappel der Pferde hallen durch die Luft. Der Wilde Westen lebt. Doch das ist nur eine Illusion. Am Himmel über uns dröhnen Flugzeuge, die vom Internationalen Flughafen Salt Lake City gestartet sind. Treibstoffgestank überlagert den scharfen Geruch von Mist, Staub und der Salzlauge aus dem nahe gelegenen Großen Salzsee.

Vom Sattel aus ist leicht zu erkennen, was Salt Lake City von den anderen Zentren des Neuen Westens unterscheidet, die ebenfalls von unkontrolliertem Wachstum geprägt sind. Berge, der Salzsee, Ackerland, Feuchtgebiete, Wüste und die Siedlungen stoßen abrupt aufeinander. Entlang der 190 Kilometer langen Wasatch Front, jener steil aufragenden Westseite des gleichnamigen Gebirgszugs, grenzen die unterschiedlichsten Landschaftsformen aneinander - eingeklemmt zwischen der Wasatch Range im Osten sowie den Oquirrh Mountains und dem Großen Salzsee im Westen.

Ganz verschiedene Lebensweisen prallen aufeinander. In dieser attraktiven Gegend leben 80 Prozent der 2,2 Millionen Einwohner von Utah. Rund 1,7 Millionen Menschen drängen sich an der Wasatch Range. Und in diesen Wochen wird es noch enger. Bis zu 80000 Besucher werden an jedem der 17 Wettkampftage zu den Olympischen Winterspielen strömen.

Salt Lake City ist das größte urbane Zentrum, das jemals Olympische Winterspiele ausgerichtet hat. Die Skiregionen sind mit Schnee gesegnet, das begehrte Weiß entsteht, wenn warme Feuchtigkeit vom See aufsteigt und sich die Wolken nach der Wüstenüberquerung an den Bergen entleeren.

Nachdem die umstrittene Bewerbung von Salt Lake City um die Spiele 1995 Erfolg gehabt hatte, beeilte man sich, die Skigebiete ganzjährig attraktiv zu machen und auf diese Weise auch Besucher aus dem Ausland anzulocken. Darauf setzt auch das Snowbasin-Skigebiet, in dem die wichtigen Abfahrts- und Super-G-Rennen stattfinden.

Das einst verschlafene Paradies mit seinen weiten Senken, steilen Hängen und herrlichen Panoramen ist typisch für den Streit, der immer dann losbricht, wenn unberührte Landschaften entwickelt werden sollen. Um für die Winterspiele gerüstet zu sein, sollte aus Snowbasin ein Freizeit- und Ferienpark fürs ganze Jahr werden. Der Besitzer Earl Holding verlangte dafür ein Stück des Wasatch-Cache National Forest, eines Schutzgebiets am Fuß von Snowbasin.

Der Abgeordnete Jim Hansen und Senator Orrin Hatch, beide für Utah im US-Kongress, halfen ihm dabei. Sie setzten eine Verordnung durch, die einen umstrittenen Landtausch ermöglichte. Umweltschützer zeigten sich daraufhin empört, dass Bauvorhaben für die Olympischen Spiele von der Überwachung durch das Bundesumweltschutzgesetz ausgenommen sind.


(NG, Heft 2 / 2002)
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