Seehund aus Eisen

Artikel vom 01.07.2002  —  Autor: Onno Groß

Schleswig-Holstein hatte kapituliert. Der drei Jahre währende Krieg gegen die Angliederung des Landes an Dänemark ist verloren, schon bald soll die Regierungsgewalt übergeben werden. "Submarine-Ingenieur" Wilhelm Bauer hat nun, am 1. Februar 1851, höchste Eile. Noch liegt seine Geheimwaffe am Pier der Maschinenfabrik Schweffel & Howaldt in Kiel. Er fürchtet, seine Erfindung könnte den Dänen in die Hände fallen, und will daher noch einmal alles riskieren. Zusammen mit dem Zimmermann Friedrich Witt und dem Schmied Wilhelm Thomsen klettert er in den "Brandtauchapparat", das erste deutsche U-Boot.

"Wie ein Seehund", hatte Bauer notiert, sollte es tauchen. Zwei Treträder, von Menschenkraft bedient, würden das Boot vorantreiben. Unter Wasser sollte es sich an feindliche Schiffe heranschleichen und sie mit Sprengladungen in Brand setzen. Nach einigen Probefahrten nahe der Oberfläche will Bauer noch ein Experiment über das "Tieffahren" anstellen, ehe er vielleicht an seine Konstruktion nicht mehr herandarf. Die drei Männer zwängen sich in das acht Meter lange, dreieinhalb Meter hohe und zwei Meter breite Boot. 30 Tonnen wiegt das eiserne Ungetüm. Aus Geldmangel hat Bauer auf den Einbau getrennter Kammern für die gleichmäßige Verteilung das Ballastwassers verzichten müssen.

Als er es in den Kielraum fluten lässt, sammelt es sich prompt an der tiefsten Stelle im Heck. Der Brandtaucher kippt schräg nach hinten weg. Die Männer pumpen verzweifelt und wuchten Eisenballast ins Vorderende. Vergeblich - das Boot sinkt auf den Meeresboden.

In ungefähr zwölf Meter Tiefe setzt es auf. Bauer weiß, dass die Wände eigentlich zu schwach sind. "Wenn es jetzt nicht bricht, können wir uns retten", ruft er den Kameraden zu.

Erleben Sie auf unserer Website mit dem Autor Glenn Oeland und dem Fotografen Ira Block die Bergung eines U-Bootes vor South Carolina im Beitrag Die H. L. Hunley .


(NG, Heft 7 / 2002)
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