Serengeti der Meere

Artikel vom 01.08.2002  —  Autor: Kennedy Warne  —  Bilder: David Doubilet
Kolonie bunter Seeigel

Bild: David Doubilet Vergrößern

Der Himmel ist weiß von Tölpeln, ihre Schreie gellen in unseren Ohren. Die Vögel stürzen sich mit angelegten Schwingen wie gefiederte Torpedos ins Meer, Luftblasen markieren ihre Bahn unter Wasser. Sie jagen Sardinen, und hier, vor der Ostküste Südafrikas, brodelt die See wie ein Riesenkessel voller Bouillabaisse. Kreisende Delphine drängen den Sardinenschwarm immer dichter zusammen. In Panik springen die Fische in die Luft, klatschen zurück in das Gewimmel. Dann schneidet eine blassrosa Rückenflosse durch den Schwarm. Noch eine. "Kupferhaie!", ruft Mark Addison, der Skipper unseres Boots. Bald veranstalten fünf Haie mit peitschenden Schwänzen eine Fressorgie in den Wellen.

An Land ist der Tumult fast so groß wie im Wasser. Menschen strömen an die Strände, wo Fischer zum Bersten pralle Netze voller Sardinen an Land ziehen. Manchmal geht es sogar ohne Netze: Auf der Flucht vor ihren Feinden geraten ganze Schwärme in die Brandung und werden auf den Strand gespült; kniehoch bedecken ihre glitzernden Leiber den Sand.

Die Küstengemeinden haben die Fischflut werbewirksam "den größten Schwarm der Welt" getauft. Eine gebührenfreie Hotline gibt Touristen Auskunft, an welchem Strand gerade mit dem stärksten Sardinenspektakel zu rechnen ist; die Stadt Scottburgh hat ein Sardinenfestival organisiert, komplett mit Karaoke, Wettbewerben am Strand und Kochvorführungen im potje, dem traditionellen dreibeinigen Kessel der Buren.

Sandhaie

Bild: David Doubilet Vergrößern

Dabei ist die Sardinenwanderung nur einer der Höhepunkte im Naturschauspiel vor der Küste Südafrikas.

Das Meer zwischen den Korallenriffen des Indischen Ozeans und den Tangwäldern im Atlantik ist eine der üppigsten und vielfältigsten Lebenszonen der Erde. Die 2800 Kilometer lange Küste Südafrikas zwischen Mosambik im Osten und Namibia im Westen wird von zwei großen Ozeansystemen beherrscht: einem starken Meeresstrom an der einen Seite des Kontinents und einer kräftigen, vom Meeresboden aufsteigenden Strömung an der anderen...


(NG, Heft 8 / 2002)
Extras

Bildband-Tipp: Planet Meer
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