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Prinzessin Idut starb früh. Die Kalksteinreliefs in ihrer Grabkapelle zeigen sie nur als Kind, umgeben von kunstvoll gearbeiteten Darstellungen aus dem Niltal. Es sind Ausschmückungen, wie man sie in einer königlichen Grabstätte aus dem Alten Ägypten erwartet: Fische und Wasservögel, ein Krokodil, das nach einem neugeborenen Flusspferd schnappt, Kühe mit Kälbern und Scharen von Gänsen. Aber irgendetwas auf diesen Bildern stimmt nicht.
"Das ist richtig", sagt Naguib Kanawati, Professor für Ägyptologie an der Macquarie-Universität im australischen Sydney. Er weist auf eine unebene Stelle neben Iduts Knie in einer Szene, die sie bei einer Bootspartie zeigt. "Idut hat die Stelle eines anderen eingenommen. Schauen Sie mal. Ein Fuß wurde getilgt - entweder herausgemeißelt oder abgeschliffen. Das gilt auch für den Schurz eines Mannes." Ich gehe näher und erkenne schwach die Konturen einer aufrecht stehenden, imposanten Männergestalt hinter dem kleinen Mädchen.
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Prinzessin Idut starb um das Jahr 2330 v. Chr. Sie wurde unterhalb ihrer Grabkapelle beigesetzt - ganz in der Nähe der Pyramidengräber ihres Großvaters, König Unas, und ihres Vaters, König Teti. Dieser Ort, an dem die ersten monumentalen ägyptischen Gräber aus Stein entstanden, ist heute unter dem Namen Sakkara bekannt. Als Iduts Grab Mitte der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts entdeckt wurde, schenkte man den veränderten Reliefs keine sonderliche Beachtung. Erst kürzlich nahm Kanawati die Bilder genauer unter die Lupe - und stieß unverhofft auf Spuren einer Intrige. "Ich habe die Hieroglyphen noch einmal gelesen und endlich den ursprünglichen Besitzer des Grabs ausgemacht", sagt er. "Es war Ihi, ein Wesir von Pharao Unas." So wie die meisten wohlhabenden und ranghohen Ägypter seiner Zeit hatte auch dieser Herrscher Jahre damit verbracht, seine letzte Ruhestätte vorzubereiten.
Wie konnte es dann geschehen, dass sein Grab von Prinzessin Idut belegt wurde?
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Kanawati hat eine spannende neue Theorie über eine Palastrevolution und die mysteriösen Umstände entwickelt, die sich um den Amtsantritt von König Teti ranken. "Wir wissen nicht, woher dieser Herrscher kam. Bekannt ist nur, dass er eine Tochter von Unas geheiratet hat und König wurde, als sein Schwiegervater starb. Ich glaube, dass er durch eine Revolte auf den Thron kam und dass Ihi sich ihm erfolglos widersetzte." Für den Wesir hatte dieses fehlgeschlagene Komplott offenbar dramatische Folgen: Als Strafe schenkte Teti dessen Grab womöglich einer seiner Töchter.
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