War das Eva?

Artikel vom 01.08.2002  —  Autor: Rick Gore  —  Bilder: Gouram Tsibakhashvili

Der Fund dieses Schädels ist eine anthropologische Sensation. Hat er dem ersten Menschen gehört, der Afrika verließ? 1,75 Millionen Jahre alt sind die Überreste des Menschenahnen, die voriges Jahr in Dmanisi in Georgien gefunden wurden. Sein Gehirn war nicht annähernd so groß, wie es nach bisheriger Expertensicht hätte sein müssen, damit unsere Vorfahren Neuland erobern konnten. Seine großen Eckzähne und der schmale Brauenwulst erinnern noch mehr an Affen als an frühe Menschen. Dieser Schädel und der Fund primitiver Werkzeuge werfen so viele neue Fragen über unsere Herkunft auf, dass ein Wissenschaftler schon meinte, man sollte ihn "eigentlich lieber gleich wieder eingraben".

Darstellung eines Frühmenschen, Schädel- und Kieferknochen

Bild: John Anderson, Jr. NGM Art, Mauricio Anton (Illustrationen links) Vergrößern

"Sieht aus, als hätten die ersten Menschen, die Afrika verließen, ein Spatzenhirn gehabt." Mit dieser trockenen Bemerkung korrigiert Philip Rightmire von der Binghamton-Universität in New York die bisher gängige Lehrmeinung. Wie die meisten Paläoanthropologen hat auch er den Frühmenschen Homo erectus für den Pionier gehalten, den ersten Hominiden, der vor rund 1,8 Millionen Jahren Afrika verließ.

Der jüngste Schädelfund im georgischen Dorf Dmanisi stellt diese Annahme und möglicherweise unseren gesamten Stammbaum in Frage. War der erste Auswanderer doch kein klassischer Homo erectus, der schon ein großes Gehirn besaß und komplexe Steinwerkzeuge herstellen konnte?

Nahm eine primitivere Form schon früher den gleichen Weg? Rightmires Welt wurde auf den Kopf gestellt. Und wie es scheint, ist er davon begeistert.

Dorf Dmanisi in Georgien, Darstellung von Humiden (rechts)

Bild: John Gurche (Illustrationen), Karte NG Maps Vergrößern

Dem georgischen Paläoanthropologen David Lordkipanidze, einem von der National Geographic Society geförderten Forscher, geht es genauso. Sein Team hat den Schädel gefunden. So alte Menschenschädel - rund 1,75 Millionen Jahre - sind rar, und wenn man einen ausgräbt, sieht er selten so gut aus. Die Gesichtsknochen sind fast unversehrt. In Ober- und Unterkiefer stecken viele Zähne, darunter Eckzähne, die dem Maskenbildner eines Werwolf-Films alle Ehre machen würden. Auf der Schädelinnenseite erkennt man sogar, wie das Gehirn und der Sehnerv am Knochen anlagen.

Informieren Sie sich auf unserer Website auch über den Homo sapiens im Bericht Leute wie wir .


(NG, Heft 8 / 2002)
Extras

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