Yucatán - das Rätsel der Puuc-Kultur

Artikel vom 01.04.2002  —  Autor: George E. Stuart  —  Bilder: Kenneth Garrett
Darstellung arbeitender Mayas

Bild: Christopher A. Klein Vergrößern

Der Pfad zu den Ruinen von Chac windet sich durch einen graugrünen Wald aus Bäumen und Dornensträuchern. Es ist März, Trockenzeit. Der Boden ist von rötlichem Staub bedeckt. Immer wieder geht es auch über grauen Kalkstein, den das Wetter über die Jahrtausende geformt hat. Ich bin in den letzten vier Jahrzehnten oft durch den Nordwesten der Halbinsel Yucatán gewandert. Als Archäologe weiß ich, dass hier noch viele Überreste der alten Maya-Kultur verborgen liegen. Daran hat sich nichts geändert, seit der amerikanische Reisende John Lloyd Stephens im Winter 1841/42 in dieser Gegend unterwegs war.

Hitze, Wassermangel und Zecken plagten den Abenteurer und seine Leute. Aber sie hielten durch - und stießen auf ein Wunder nach dem anderen. In Labná standen die Männer staunend vor einem hoch aufragenden Tempel, "von oben bis unten und von einem Ende zum anderen mit riesigen Figuren und anderen Mustern aus Stuck verziert... von einer Kunstfertigkeit, wie sie kein anderes Volk je hervorgebracht hat", wie Stephens schrieb. In Sayil bewunderten sie die Casa Grande, die gewaltigen Überreste eines dreistufigen Palasts. Das Gebiet, das der Amerikaner in jenen acht Monaten erkundete, ist als Puuc bekannt, was übersetzt Hügelland bedeutet. Es erstreckt sich über mehr als 6000 Quadratkilometer.

Maya-Stätte Dsibiltun (links), Teobert Maler (rechts)

Bild: ibero-amerikanisches Institut PK/BPK Berlin, Teobert Maler Vergrößern

Wissenschaftler, unter ihnen der von der National Geographic Society unterstützte Michael Smyth vom Rollins College in Florida, schätzen, dass es im Puuc-Gebiet zwischen 600 und 1000 n. Chr. an die 150 Städte gab, darunter Uxmal, Kabah und Sayil. Bis zu 500 000 Menschen könnten hier gelebt haben.

Archäologische Funde, Aufzeichnungen und Erzählungen der Maya deuten darauf hin, dass Uxmal die größte und wahrscheinlich mächtigste Stadt im Puuc-Gebiet war. Ihre Blütezeit begann um 700 n. Chr. Etwa ein Jahrhundert später gab der bedeutendste Herrscher der Stadt, Chan Chak K'ak'nal Ahaw, den Bau einer Vielzahl von Tempeln und Palästen in Auftrag, die bis heute erhalten sind.


(NG, Heft 4 / 2002)
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