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Manche Menschen bevorzugen gezähmte, geordnete Landschaften. Die werden sich im Wrangell-St. Elias National Park im Südosten von Alaska ganz bestimmt nicht wohl fühlen. Wild, rau und einsam ist es hier. Namenlose Flüsse mäandern durch von Eisströmen ausgehobelte Täler, gigantische Gletscher bedecken viele tausend Quadratmeter mit einer manchmal mehr als 300 Meter dicken Schicht aus Eis, die Berge sind wie Bestien und viele Gipfel sind noch unbestiegen.
In diesem Park könnte man die gesamte Schweiz unterbringen. In der Nähe von Copper Center hat gerade ein neues Besucherzentrum eröffnet, als ich eintreffe. Es ist niemand da. Auch der Parkplatz ist leer. Gary Candelaria, der Leiter der Parkverwaltung, sagt, es sei unmöglich, die Zahl der Besucher genau zu bestimmen, weil es in diesem Nationalpark keine Mautstellen oder Eintrittsgebühren gibt. "Es geht uns auch gar nicht um großen Andrang", sagt er. "Uns geht es um die Erhaltung natürlicher Ökosysteme."
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Wenn es hoch kommt, schätzt er, fahren pro Jahr 30 000 bis 60 000 Touristen hierher - so viele, wie man im Great Smoky Mountains National Park im Sommer an einem Wochenende zählen kann. Aber hier in Alaska erwartet jeden Besucher ein Erlebnis ganz anderer Art. Für den Fotografen Frans Lanting war es "ein paradoxer Anblick" als er den aktiven Vulkan Mount Wrangell besuchte: "Das Schneefeld dampfte", gespeist von der Hitze, die tief aus dem Erdinneren aufsteigt. Im Herbst färben sich die Hänge mit dem Purpur der Bärentrauben, dem Gold der Pappeln und dem Blau der Fichten. Das vergängliche Werk hält nur wenige Tage. Noch einmal explodiert die Natur im Rausch der Farben, ehe das lange Schwarzweiß des Winters Einzug hält.
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Man kann hier nicht einfach mal so durchfahren wie durch den Yellowstone oder den Yosemite. Es gibt kein durch, nur ein über. "Wer von diesem Nationalpark einen richtigen Eindruck bekommen will", fährt Gary Candelaria fort, "der kann das nur aus der Luft tun." Der Pilot Lynn Ellis bekräftigt kurz darauf ausdrücklich die Ausmaße des Parks. "Manchmal", sagt er, "kommt jemand, der glaubt, er könne alles in ein paar Stunden sehen. 'Okay', antworte ich dann, 'mein Flugzeug schafft in viereinhalb Stunden ungefähr 1000 Kilometer, dann muss ich tanken. Das reicht nicht einmal, um die Hälfte zu sehen.'"
Mit mehr als 50 000 Quadratkilometer Fläche ist der Wrangell-St. Elias bei weitem der größte Einzelpark der USA, fast sechsmal so groß wie der Yellowstone. Zusammen mit dem kanadischen Kluane National Park und dem Tatshenshini-Alsek Provincial Park sowie dem benachbarten Glacier Bay National Park in Alaska ist der Wrangell-St. Elias als Weltnaturerbe der Vereinten Nationen eingestuft: als die größte international geschützte Wildnis der Welt.
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