Blut und Bein: Dinosaurier

Autor: Joel Achenbach  —  Bilder: Robert Clark

"Achtung, es wird gefährlich!", ruft Gregory Erickson, als der Alligator in seine Richtung zu kriechen beginnt. Aber dann beruhigt sich das Tier wieder. Der Wissenschaftler liest sein Messgerät ab. Die Kiefer haben mit einer Kraft von knapp 1350 Kilo zugebissen. Auf seine Weise liefert der Alligator, der von den Wissenschaftlern auf den Namen "Mr. Big" getauft wurde, neue Erkenntnisse über Dinosaurier. Erickson, ein Paläobiologe an der Universität von Florida, ist Fachmann für das Fressverhalten der Tyrannosaurier. Weil ihn die Bissspuren an fossilen Knochen interessieren, möchte er mehr über das Beißen im Allgemeinen erfahren. Und das kann er am besten an Krokodilen studieren. Die Nacht verbringen wir am Ufer des Lake Griffin - der Heimat von "Mr. Big" - mit der Untersuchung von zehn weiteren Alligatoren, die wir frisch aus dem Wasser geholt haben. Kurz vor Tagesanbruch sind wir müde und durchnässt, aber noch im Vollbesitz aller unserer Finger.

Erickson kommt zu mir und fragt: "Das ist doch was anderes, als alte Knochen auszugraben, oder?" Darauf kann die Wissenschaft zwar nach wie vor nicht verzichten, aber immer mehr Paläontologen suchen nach neuen Wegen, um mehr über die Dinosaurier zu erfahren. Viele von ihnen treiben sich im Sommer nicht mehr an staubigen Ausgrabungsstätten in der Einöde herum, sondern setzen im Labor Tauben in einen Windkanal und studieren die Evolution der Flugbewegung. Und anstatt die Sandsteinschichten von einem Ceratopsiden-Skelett zu kratzen, wenden sie auf einem Computerbildschirm digitale Knochen per Mausklick hin und her.

Strengere wissenschaftliche Maßstäbe, das ist es, was die meist jüngeren Paläontologen anstreben. Ihnen geht es nicht nur um den Körperbau der Saurier, sondern um etwas, was schwieriger zu rekonstruieren ist: Bewegungen und Verhalten der riesigen Echsen.

Saurier Illustration

Bild: John Sibbick Vergrößern

Zu ihren Hilfsmitteln zählen Computer, Tomografen, Röntgengeräte und Elektronenmikroskope. Damit kein Irrtum aufkommt: Grundlage der Dino-Forschung ist immer noch das Freiland - und das ist überall da, wo Knochen zu finden sind. In den letzten Jahren fand man geflügelte Dinosaurier in China, zahllose Nester mit Dino-Eiern in Patagonien und eine Fülle neuer Saurierarten wie den überschweren Argentinosaurus und den kolossalen Gigantosaurus.

Nur im Freiland finden sich die unmittelbaren Belege für eine untergegangene Tierwelt, die in der Epoche des Mesozoikums vor 230 bis 65 Millionen Jahren die Erde prägte. Und das Freiland hat einen Reiz, den das Labor nicht bieten kann: Es ist die Bühne für den Typ des Indiana Jones, für jenen charismatischen Wissenschaftler, der sich mit Schaufel, Hacke und Gips sowie einem Gefolge aus Doktoranden und Fernsehteams auf den Dinosaurierfriedhöfen herumtreibt.

Extras

DVD-Tipp: SuperCroc - Das Riesenkrokodil aus der Urzeit
Seien Sie mit der NATIONAL GEOGRAPHIC DVD SuperCroc dabei, wenn die Krokodil-Experten Paul Sereno und Brady Barr das Riesenkrokodil aus der Urzeit rekonstruieren. mehr...

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