Der Schein der Glühbirnen an der Decke des Tunnels lässt Wände aus rötlichem Ton und grauem Schotter erkennen. Stickige Luft macht das Atmen schwer. Ich hocke hinter David Sedat; der Archäologe vom Museum der Universität von Pennsylvania leitet hier im Tropenwald von Honduras das Early Copán Acropolis Program (ECAP). Wir sind 15 Meter tief in der Akropolis.
Copán, die sagenhafte Stadt im Süden des Maya-Gebiets, war eines der regionalen Zentren dieses Volks. Hier hielten die Könige Hof, umgeben vom Prunk und den Zeremonien der Aristokratie, und von hier aus kontrollierten sie ihr Volk. Keine Maya-Stätte ist so prachtvoll wie diese, und kaum anderswo haben sich die uralten Bauten und Kunstwerke über die vielen Jahrhunderte so gut erhalten.
Sedat bewegt sich leicht und geschmeidig durch den engen Gang. Plötzlich schwenkt der Hauptgang nach links, und kurz wird eine Wand sichtbar. Sie ist mit Reliefs geschmückt und mit Maya-Darstellungen bemalt - und leuchtet noch wie am Tag ihrer Entstehung vor mehr als 1500 Jahren. Sedat führt mich auf eine Rampe aus Latten. Unter uns gähnt ein schwarzes Loch. Kurz vor einem jäh in die Tiefe führenden Schacht bleibt der Forscher stehen. "Ich habe eine Überraschung für Sie", sagt er und zeigt hinab. "Aber da unten ist nur Platz für einen von uns."
Ich klemme mir eine kleine Taschenlampe zwischen die Zähne und lasse mich über den Rand gleiten. Ich erkenne ein Stück einer großen, offenbar gerade erst freigelegten Steinplatte. Vorsichtig taste ich mich voran, immer bedacht, die empfindlichen Wände des kleinen Raums nicht zu berühren. Was ich dann erlebe, ist einer der aufregendsten Momente in den vielen Jahren, in denen ich mich schon mit den alten Maya beschäftige: Auf der Steinplatte vor mir liegen die Überreste und Grabbeigaben eines königlichen Toten.
Für die Archäologen, die ihn fanden, weist alles darauf hin, dass der hier Begrabene kein Geringerer ist als K'inich Yax K'uk' Mo', der Sonnenäugige Grüne Quetzal-Ara. Der verehrte Gottkönig! Er ist in den Hieroglyphen von Copán als "Gründer" der hiesigen Dynastie beschrieben. Einige Wissenschaftler nehmen an, er sei ein einheimischer Herrscher gewesen. Andere vermuten, dass er aus einem anderen Maya-Ort im Norden nach Copán kam - möglicherweise aus einer Stadt, die unter dem kulturellen Einfluss von Teotihuacán, einer zentralmexikanischen Metropole, stand. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Gründer selber von dort stammte. In Copán begründete er ein Herrscherhaus, das dieses Reich etwa 400 Jahre lang regierte.
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