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Die Aula der Universität Greifswald ist bis auf den letzten Platz gefüllt: Marcus Junkelmann hält einen Vortrag über die Gladiatoren. Es ist nicht nur das Thema, das die Zuhörer in den Bann schlägt, sondern mehr noch die Person des Redners. Junkelmann ist Historiker und "Experimentalarchäologe". Ein Mann, der im Kettenhemd der römischen Legionäre und mit voller Kriegsausrüstung von Verona nach Augsburg marschierte, an seinen Füßen jenes genagelte Schuhwerk, das einem ganzen Genre - den Sandalenfilmen - seinen Namen gegeben hat. Junkelmanns viel beachtete Ausflüge in die Römerzeit - ob auf dem Pferderücken, um das Funktionieren römischer Trensen in der Praxis zu erproben, oder als Hobbybäcker, um das Rezept für das panis militaris, das Soldatenbrot, herauszufinden - lassen keinen Zweifel: Die Römer haben in Deutschland Konjunktur.
Bild: Landesmuseum Mainz, Manfred Eberlein/Archäologische Staatssammlung München, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz, Thomas Ernsting Vergrößern
Landauf, landab werden Römerfeste organisiert, präsentieren sich Bankangestellte und Hausfrauen in ihrer Freizeit in Toga und Tunika und können sich die staatlichen Denkmalschützer vor Anträgen geschichtsbegeisterter Gemeinden auf Wiedererrichtung von römischen Wachtürmen kaum retten. Dabei sind die Römer mit Germanien, wie sie das Land jenseits von Rhein und Donau nannten, nicht gerade zimperlich umgesprungen. Sie kamen als Eroberer, als hochmütige Angehörige eines Volks, dem die Götter die Herrschaft über die Welt verliehen hatten. Aber im Herbst des Jahres 9 n. Chr., inmitten von Sümpfen und Urwäldern, verließ sie das Glück. Genau wie damals regnet es in Strömen, als ich das Schlachtfeld abschreite und der Marschroute der Römer folge.
Publius Quinctilius Varus, der römische Statthalter, kommandierte das größte Heer, das je zuvor zwischen Rhein und Elbe aufmarschiert war. Fälschlicherweise nahm er an, das Land sei unterworfen und habe sich in sein Schicksal gefügt. Er glaubte es noch, als sich seine germanischen Hilfstruppen und ihr Anführer Arminius unter einem Vorwand absetzten. Warnungen, der Cheruskerfürst plane Verrat, hatte er ignoriert. Doch in der Senke von Kalkriese, unweit des späteren Osnabrück, war kein Zweifel mehr möglich: Arminius hatte ihn in eine Falle gelockt (siehe dazu den Beitrag Sieg über Rom ). Nach drei Tagen war alles vorbei. 10 000 bis 15 000 Legionäre und ihr Feldherr waren tot, der Traum von einer Provinz Germanien war zu Ende. Alles, was östlich des Rheins lag - befestigte Lager, Kastelle, erste städtische Ansiedlungen - wurde von den siegestrunkenen Germanen niedergebrannt.
Bild: Huber/LAIF Vergrößern
Im fernen Rom wollte es Kaiser Augustus nicht fassen. "Varus, gib mir meine Legionen wieder!", soll er ausgerufen haben und ließ zum Zeichen der Trauer Haupt- und Barthaar wachsen. Es war nicht die erste Niederlage, die das römische Imperium hatte hinnehmen müssen. Aber nie zuvor hatten "Barbaren" die antike Supermacht Rom derart gedemütigt.
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