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Im Steinbruch von Tombos steigen Dorfbewohner über eine Statue aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. Ihre nubischen Vorfahren beherrschten damals ganz Ägypten. Heute kontrolliert ihre Regierung nicht einmal den Sudan.
Der älteste Bürgerkrieg der Welt gleicht einem Albtraum. In selber geschneiderten grünen Baumwollkitteln als Uniform und in weißen Plastikschuhen ziehen Männer durch die Steppe Afrikas. Sie flüchten vor den Regierungssoldaten, die ihnen in den Ölfeldern im Sudan einen Hinterhalt gelegt haben. Einer ihrer Kameraden ist tödlich getroffen worden, seinen Leichnam mussten sie in der ausgedörrten Savanne zurücklassen. Hier, unter dieser gespenstischen Szenerie in der weiten, kahlen, von feinen Rissen durchzogenen Ebene, lagert ein gewaltiger Schatz des Sudan: Rohöl im Wert von fast 20 Milliarden Euro - der Grund, der einen nun schon bald 50 Jahre anhaltenden Krieg im Sudan immer wieder aufflammen lässt.
Schon seit Stunden ziehen die geschlagenen Rebellen unter sengender Sonne dahin. Auf wippenden Bahren schleppen sie fünf Verletzte, die ihre Schusswunden schweigend ertragen. An der Spitze des Zugs balanciert ein Junge eine Autobatterie auf dem Kopf: der Gehilfe des Funkers. Alle paar hundert Meter bleibt er stehen und schüttelt Blut aus dem Schuh. Ringsum ziehen Hirten der eingeborenen Dinka - eine Stammesgruppe im Sudan, die ihre Rinder über alles schätzt - durch den Dornenwald. Sie sind durch Kämpfe zwischen den Rebellen und den Soldaten der Regierung von ihren über den Ölfeldern liegenden Weidegründen vertrieben worden. Ihre Kinder sind durch Unterernährung körperlich zurückgeblieben und haben rötliche Haare. Sie klettern auf Bäume und sammeln Blätter - zum Essen.
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Die Geldentwertung trifft alle. Abseits der Bürgerkriegsfront leiden auch diese Männer aus dem Norden unter explodierenden Preisen - einer Folge der enormen Rüstungsausgaben des Sudan.
Diese schreckliche Gegend des Sudan heißt Biem und ist ein Zufluchtsort für die 40 000 Mann starke Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA). "Was verloren ist, lässt sich nicht zurückerobern", sagt der im Schatten einer Akazie hockende verschwitzte Kommandant der Rebellen. "Also kämpft man für das bisschen, was einem noch geblieben ist." Er versucht sich zu trösten, doch ich vermag in dieser epischen Tragödie des Sudan wenig Tröstliches zu entdecken.
In diesem April 2002 taumelt der Sudan, Afrikas größter Staat, in die nächste Runde eines seit 19 Jahren nicht mehr unterbrochenen Krieges. Es ist ein Kampf, unter dem das Land und seine Menschen seit fast 50 Jahren leiden. Mehr als zwei Millionen Sudanesen haben dabei ihr Leben, noch mehr ihre Heimat verloren. Das jüngste Opfer liegt mit einem Kopfschuss im verdorrten Gras, und Tausende dürrer Zivilisten durchstreifen den Busch und hungern.
Um allein zu sein, krieche ich in eine leere Strohhütte und erinnere mich, warum ich hergekommen bin: weil der Frieden im Sudan endlich in Reichweite ist; weil das Öl, das die Regierung nun fördert, dem zerrissensten afrikanischen Land bald helfen könnte; weil der Albtraum von Biem - und Tausender ähnlicher Orte im Sudan - vielleicht bald vorüber ist.
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