Stellen Sie sich ein Universum ohne Sterne vor, ohne Licht. Nur ein schwarzes Gebräu aus Urgasen, wabernd in einem Meer unsichtbarer Materie. Einige hunderttausend Jahre nach dem grellen Blitz des Urknalls versank das Universum wieder ins Dunkel, das fast eine halbe Milliarde Jahre anhielt. Dann geschah etwas, das alles veränderte. Ein Ereignis, das zur Bildung von Sternen und Galaxien führte und schließlich zur Entstehung von Planeten und Leben - von Menschen, Rosen und Eidechsen. Was war geschehen?
Zu dieser Frage prasselt zur Zeit ein Feuerwerk von Antworten aus der Wissenschaft auf uns herab. Mit Simulationen an Supercomputern verfolgen Forscher die Ereignisse, die zur Geburt der ersten Sterne und Galaxien geführt haben. Mit modernen Teleskopen blicken Astronomen tief in die Vergangenheit und suchen nach den ältesten, zuerst entstandenen Galaxien. Forscher, die Aufnahmen des "Hubble"-Weltraumteleskops studieren, entdecken die atemberaubende Vielfalt der Sternennebel - gewaltige Feuerräder, leuchtende Riesenzitronen, zerzauste Galaxien, die lange Schweife aus Sternen hinter sich herziehen, losgerissen bei Kollisionen mit fremden Welten.
Es ist noch nicht einmal ein Jahrhundert her, da kannten die Astronomen nur unsere eigene Galaxie, die Milchstraße. Sie glaubten, dass sie aus ungefähr 100 Millionen Sternen besteht.
Dann entdeckten sie, dass einige der verschwommenen Flecken am Himmel gar nicht zu unserem System gehören, sondern eigenständige Galaxien sind - Ansammlungen von Sternen, Gasen und Staub, zusammengehalten durch die Schwerkraft. Heute wissen wir, dass die Milchstraße mehr als 100 Milliarden Sterne enthält und dass es im Weltall mehr als 100 Milliarden Galaxien gibt.
Unser Bild vom Universum ändert sich zur Zeit total, sagt der Kosmologe Carlos Frenk von der Universität Durham in England. Vor allem wegen unseres neuen Verständnisses über die Galaxienbildung: "Ohne Übertreibung kann man sagen, dass wir eine Periode des Wandels erleben, die sich mit der kopernikanischen Revolution vergleichen lässt", meint Frenk.
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