Die Olmeken in neuem Licht

Artikel vom 01.01.2003  —  Autor: George E. Stuart  —  Bilder: Kenneth Garrett
Landschaft Grabungen

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Alles fing ganz harmlos an, 1987 in El Manatí, am Fuße eines kleinen Hügels in Südmexiko. Bei den uralten Quellen des Dorfs hoben einige Dorfbewohner einen Fischteich aus. Dabei kamen in der klebrig-grauen Erde seltsame Dinge zutage: glänzend polierte zeremonielle Äxte, menschliche Gebeine, Kautschukkugeln und, besonders merkwürdig, große Holzbüsten mit langen, starren Gesichtern, die rot und schwarz bemalt waren.

Die erstaunlich gut erhaltenen Artefakte waren den Olmeken zuzuordnen, einer Zivilisation an der mexikanischen Golfküste, die ihre Blütezeit zwischen 1200 und 400 v. Chr. hatte. Wegen der frühen Errungenschaften in Politik, Wirtschaft, Kunst und Religion gilt dieses Volk als Mutterkultur aller späteren mesoamerikanischen Zivilisationen - auch der Maya und Azteken.

Kampf für den Jaguar

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Archäologen und Kunsthistoriker hatten sich ein grobes Bild der Olmeken gemacht. Aber erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten ergaben weitere Forschungen, dass sie eine komplexe Gesellschaft bildeten. Sie erdachten ihre eigene Kosmologie, hielten Opferzeremonien ab und traten außerdem zu rituellen Ballspielen an. Die Olmeken lebten in der Küstenebene am Golf von Mexiko. Die Entdeckung einer Basaltskulptur in Tres Zapotes bescherte ihnen 1860 erstmals große Aufmerksamkeit.

Damals stieß ein Bauer beim Roden eines Feldes auf ein Objekt, das aus der Erde ragte. Er beschrieb es später als "den Boden eines riesigen umgedrehten Eisenkessels". Neugierige Dorfbewohner kamen zum Fundort und legten den seltsamen Gegenstand frei: einen Steinkopf von beinahe 1,50 Meter Höhe und rund acht Tonnen Gewicht. Das Gesicht hatte wulstige Lippen, eine flache Nase und einen starren Blick. Die Form des Schädels erinnerte an einen Rugbyhelm. Experten vermuten, dass solche Helme bei den rituellen Ballspielen getragen wurden.

Satuen Maya

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Der phantastische Kopf und andere ungewöhnliche Skulpturen aus derselben Gegend faszinierten den Archäologen Matthew W. Stirling vom Smithsonian-Institut. 1938 besuchte er Tres Zapotes, zählte 50 Erdhügel und machte das riesige Ausmaß der Stätte bekannt. Wenig später führte er Expeditionen in das Hinterland der Golfküste. 16 Jahre lang grub er mit Kollegen in Tres Zapotes, La Venta, San Lorenzo und an anderen Stätten. Ihre Erkenntnis: Die Olmeken waren wohl die früheste Zivilisation in Mesoamerika.


(NG, Heft 1 / 2003)
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