Die knapp zwölf Meter lange "Miss Pepper's" stampft und schaukelt und pflügt sich durch die vier Meter hohen Wellen. Schwarze, unheilverkündende Wogen, die an einen schwarzen, drohenden Himmel stoßen - das ist alles, was ich durch mein Fenster erkennen kann. Unsere 6,70 Meter langen Fiberglas-Kajaks schlagen an das Ruderhaus des Schiffs. Nach zwölf Stunden im harten Rhythmus des Beringmeers könnte es jederzeit passieren, dass sie sich losreißen.
Wir sitzen in der Kabine, und uns kommen dunkle Vorahnungen, während wir mit Volldampf durch die gefährliche Samalga-Passage steuern. Sie trennt Umnak Island von unserem Ziel. Es trägt den poetischen Namen "Inseln der vier Berge". Plötzlich erscheint aus dem schwarzen Nichts ein gut fünf Meter langes Metallboot. Am Steuer steht Scott Kerr, ein gebürtiger New Yorker, der seit langem mit einer aleutischen Einheimischen verheiratet ist. Kerr lebt auf Umnak Island. Sein Dorf Nikolski hat 35 Einwohner und ist die einzige Siedlung im Umkreis von 150 Kilometern.
Da nicht einmal Don Graves, der Kapitän der "Miss Pepper's", in diesem Teil des Nordpazifiks gewesen ist, haben wir Kerr gebeten, dass er uns die letzten Stunden bis zum Ziel durch die raue See dirigiert. Dafür haben wir ihm Lebensmittel, Hundefutter und ein paar Päckchen Kautabak mitgebracht. Kerr und sein Freund Rex gehen vorsichtig längsseits und kommen an Bord. Sie riechen nach Holzrauch und Tabak. An ihren Klettergürteln tragen sie lange Messer und schwere Taschenlampen. Beide scheinen über unsere Ankunft nicht allzu erfreut zu sein. "Was genau wollt ihr hier?", fragt Kerr immer wieder, als wir die Seekarten des Gebiets studieren, in dem wir vier einen Monat lang paddeln wollen. Wir befinden uns etwa 1300 Kilometer südwestlich von Anchorage, bis zum Ende der Inselkette der Aleuten ist es noch einmal doppelt so weit.
Kerr versteht nicht, warum jemand diesen entlegenen Teil des Archipels besuchen will. Schon gar nicht in solch einer Nacht. Aber so sind unsere Pläne: Wir sind hier, um in einer der stürmischsten Ecken der Weltmeere unser Können im Seekajak zu testen und zu beweisen. Und wir wollen die Vulkangipfel der "Inseln der vier Berge" erklimmen. Durch den langjährigen Expeditions-Kajaker und Autor Derek Hutchinson ("The Complete Book of Sea Kayaking", "Guide to Expedition Kayaking") haben wir von diesem winzigen, baumlosen Archipel erfahren. In den frühen siebziger Jahren war Hutchinson von Dutch Harbor auf Unalaska Island losgepaddelt und hatte zwei Gipfel im Feldstecher gesehen. Ein Freund erzählte mir vor einiger Zeit, dass Hutchinson die "Inseln der vier Berge" für den spektakulärsten aller Orte halte. Aber er habe es nie geschafft, ihn auch zu besuchen. Diese Inseln dürften zu den einsamsten und am wenigsten bekannten Plätzen auf unserem Planeten zählen. Der Pazifische Ozean und das Beringmeer stoßen hier aufeinander. "Geburtsort der Winde" nennen die Bewohner der Aleuten diese Gegend. Das Wetter und die Gezeiten werden über unsere Route bestimmen.
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