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Wir sind am 27. Mai in Lhasa gestartet, der Hauptstadt der Autonomen Region Tibet. Conrad Anker, Jimmy Chin, Galen Rowell und ich mieteten einen Allradkombi und einen Lkw mit Zwillingsbereifung und kauften sechs Fässer Diesel. Mit vier angeheuerten Tibetern - zwei Fahrern, einem Koch und einem Verbindungsoffizier - fuhren wir fünf Tage lang nach Norden. Zuerst auf unbefestigten Straßen, dann drei Tage lang in den schwer auszumachenden Spuren von Fahrzeugen, die gelegentlich hier durchkommen. Zuletzt verloren sich die Spuren im Matsch, und unsere Laster konnten nicht mehr weiter.
Unsere Expedition in die Chang Tang dient dem Artenschutz: Wir wollen Tschirus finden. Die Kühe dieser tibetischen Antilopenart ziehen auf der jährlichen Wanderung zu ihren Kalbungsplätzen weit nach Norden in die entlegenen Kunlun-Berge - und wir wollen ihnen folgen.
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Die Chang Tang ist die letzte Zuflucht vieler Tierarten, die einst in ganz Tibet heimisch waren: der Wildjak, der Kiang (der tibetische Wildesel), der tibetische Braunbär, das tibetische Argali-Schaf, die tibetische Gazelle. Auch die größte der vier Tschiru-Populationen Tibets lebt hier: von Wilderern bedroht. Seit 1983 hat die chinesische Regierung mehr als 490 000 Quadratkilometer der Chang Tang (tibetisch für "nördliche Ebene") zu Schutzzonen erklärt. Wir wollen das Kalbungsgebiet der Tschirus filmisch dokumentieren. Der renommierte Wildbiologe George Schaller und seine Mitstreiter von der Wildlife Conservation Society sollen mit Hilfe unserer Daten die Chinesen dazu bewegen, die Schutzzone auf dieses wichtige Gebiet auszudehnen.
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Jetzt, am fünften Tag unseres Trecks, werden wir nicht so sehr durch den Neuschnee aufgehalten. Uns beunruhigt vielmehr, dass wir noch keine Tschirus gesichtet haben. Wir sind zwar kleinen Gruppen von zehn bis 20 Tieren begegnet, aber nicht dem endlosen Zug auf dem uralten Wanderpfad, den wir laut Schaller finden sollten.
Ist die jährliche Migration schon vorbei? Oder - noch schlimmer - haben die Wilderer derart gewütet, dass nur noch eine Hand voll Tschirus überlebt haben, um nach Norden zu ziehen?
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