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Im saftig grünen Herzen des Pferdelands von Kentucky lässt der 34-jährige Marc McLean den Blick über das Vollblutgestüt seiner Familie schweifen. Er sieht dabei viel mehr als die Vorboten des Frühlings, mehr als junge Knospen und sprießendes Grün und mehr als die früher weißen und heute in kostensparendem Schwarz gestrichenen Zäune. Mehr deshalb, weil er inzwischen auch mögliche Pferdekiller erspäht.
Er registriert zum Beispiel den Raureif eines nächtlichen Kälteeinbruchs und weiß, dass der Frost das Gras für kurze Zeit gesundheitsschädlich machen kann. Oder er sieht die vereinzelten Büschel Rohrschwingel und den Schwedenklee auf den Weiden - diese Pflanzen können giftig sein. Und argwöhnisch blickt er auf die frisch geschlüpfte Brut des Amerikanischen Ringelspinners. Dessen Nester in den Kirschbäumen sehen aus wie Wattebäusche. McLean sorgt sich wegen ihrer an biblische Plagen erinnernden Zahl - auch wenn viele Experten sagen, dass die Raupen für Pferde harmlos sind.
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Es ist ein windiger Morgen im April 2002, und McLean wartet auf die "Würmertöter", zwei Einheimische mit einem Pickup, auf dem eine Sprühanlage zur Schädlingsbekämpfung montiert ist. Er will sicher sein, dass er wirklich alles in seiner Macht Stehende tut. In der Nähe steht die trächtige "Begin" allein auf einer gut bewachten Koppel. Sie ist die wertvollste Zuchtstute im Besitz der Familie. In ein paar Stunden wird McLean ihr auf Grund einer Frostwarnung einen Maulkorb anlegen, damit sie nichts Schädliches fressen kann. "Wenn wir nicht die gleichen Probleme wie letztes Jahr kriegen", sagt er, "dann liegt der Wert von 'Begins' Fohlen bei, na, ... ein paar hunderttausend wären schon gut." Als wollte sie solche Hoffnungen zerstören, schiebt sich kurz darauf eine Raupe mit schnellen Bewegungen vorbei. Dann noch eine und noch eine.
McLean nimmt mit seinem Stiefel den Anführer ins Visier. "Der einzige natürliche Feind dieser Raupen", scherzt er, "ist der Fuß." Dann zertritt er sie.
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Dieser sowohl Bedrohung als auch Widerstand ausdrückende Moment umreißt das mühevolle Leben auf einem Gestüt in Familienbesitz. Es ist ein Jahr her, dass in Kentucky eine rätselhafte Seuche gut 3000 Fohlen und Föten tötete. Etwa 50 davon sollten hier auf der Crestwood Farm, dem Besitz der McLeans, aufgezogen werden. Wie wird ein relativ kleines und traditionelles Gestüt wie Crestwood die erste Zuchtsaison seit 2001, dem schlechtesten Jahr in diesem Wirtschaftsbereich, überstehen? Und was wären wohl die Konsequenzen für dieses Gestüt und darüber hinaus für die Pferdewelt im mittleren Kentucky, wenn die mysteriöse Krankheit zurückkehrte? Niemand weiß es genau, aber alle machen sich ernsthafte Sorgen, und die Lokalzeitungen sind voller Spekulationen und Statistiken. Rund um Lexington gibt es an die 500 Vollblutgestüte, das Gros der Zuchtbetriebe in diesem US-Bundesstaat. Die Weiden liegen auf den nährstoffreichen Ablagerungen eines seit langem verschwundenen Ozeans und zählen zu den besten der Welt.
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