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Der Funkruf des russischen Küstenwachboots kommt auf Englisch: "This is Russian Coastguard. What is your name and destination?" Ich bin erstaunt. Bei unseren früheren Besuchen in Russland wurden wir immer auf Russisch angesprochen. Aber die Zeiten ändern sich auch hier oben am Polarmeer. Ich drücke die Sprechtaste: "This is the German sailing vessel 'Dagmar Aaen' bound for Murmansk. Our course is 180 degrees, our speed five knots." Wenige Minuten später fährt das Patrouillenboot mit schäumender Bugwelle auf uns zu. Zwei junge Offiziere gehen mit einem Schlauchboot längsseits und bitten höflich, an Bord kommen zu dürfen. Auch das ist neu. Früher wurden solche Absichten meist in barschem Ton vorgebracht.
Bei einer Tasse Kaffee sichten die Männer unter Deck die Papiere, die mittlerweile einen ganzen Ordner füllen, dann funken sie ihr Büro in Murmansk an. Dort kennt man unser Projekt angeblich nicht. Wir stöhnen auf. Mehr als ein Jahr lang hat unser russischer Freund Slawa Melin dafür benötigt, die Genehmigungen für unsere Expedition entlang der Küste Sibiriens zu besorgen - und jetzt sollen deren Gegenstücke plötzlich nicht mehr aufzufinden sein?
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Wer in die russische Arktis möchte, muss sich offenbar immer noch warm anziehen - im wahrsten Sinn des Wortes. Wir warten und vertreiben uns die Zeit, indem wir mit den beiden Offizieren Dorsche angeln. Schließlich teilt man uns kurz und bündig mit, dass wir verhaftet seien und das Schiff unter Geleit nach Murmansk gebracht werde. Vorbei an rostenden Schiffswracks, verfallenen Siedlungen und Militäreinrichtungen laufen wir hinter dem Boot der Küstenwache in den Hafen. Dort löst sich das Problem: Die Unterlagen sind wieder da. Und man sagt uns zu, dass wir - anders als zunächst befürchtet - keinen Eislotsen an Bord nehmen müssen. Vor sechs Wochen sind wir gestartet und rund um das Nordkap in russische Gewässer gesegelt. Seit unserer ersten Fahrt vor elf Jahren hat sich Murmansk völlig verändert. Damals hatten wir als erstes ziviles Schiff aus dem Westen seit der Oktoberrevolution die Genehmigung für die Nordostpassage erhalten. Dicke Packeisfelder und eine sture Verwaltung ließen den Versuch, den Nördlichen Seeweg zu bezwingen, letztlich scheitern. Wir mussten umkehren.
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Drei Jahre später versuchten wir uns, von der Beringstraße kommend, erneut an der Nordostpassage. Da wir die zwischen den beiden Seewegen liegenden Passagen schon gesegelt waren, hätten wir bei einem Erfolg den Nordpol vollständig umrundet. Aber das blieb uns verwehrt. Das politische Klima war noch mehr abgekühlt, und vor allem hätten wir um ein Haar unser Boot in Eispressungen verloren.
Das Leben und die Reise der Polarforscher interessieren mich schon seit meiner Kindheit, und auf meinen Expeditionen auf den Spuren von Roald Amundsen rund um Amerika und auf Skiern zum Südpol habe ich schon viele Gefahren überstanden. Aber damals stand mein Entschluss fest: Nie wieder würde ich hier segeln! Es sollte bis zum Frühjahr 2001 dauern, bis ich wieder Mut fasste. Mein Freund Slawa überzeugte mich. "We must finish our expedition. We must close the circle."
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