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Heute Morgen haben wir frische Fußspuren entdeckt. Sie führen im Dschungel des westlichen Amazonasbeckens in die gleiche Richtung, in die auch wir unterwegs sind. In der Ferne kreischen Wollaffen, hoch über uns schrillt der Ruf eines Vogels durch das Blätterdach, der heißt, wie er klingt: pi-ha, pi-ha. Hin und wieder zischt eine Machete. Schweigend stapfen wir im Gänsemarsch, 34 Männer in einer lang auseinander gezogenen Kolonne.
Im flirrenden Grün und Braun des regenfeuchten Unterholzes sind immer nur ein oder zwei Begleiter sichtbar. Die übrigen verlieren sich hinter tief hängenden Ästen und Lianen, die so dick sind wie Anakondas und aus 30 Meter Höhe herab auf den Waldboden baumeln. Auf einem ebenen Geländeabschnitt - willkommene Abwechslung nach den steilen Berghängen, über die wir seit Tagen gekraxelt sind - verdoppelt Sydney Possuelo kurzzeitig das Marschtempo. "Außer den Indianern ist hier vor uns wahrscheinlich noch nie ein Mensch gewesen", sagt er zu mir.
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Possuelo ist 63 Jahre alt. Ein Baum von einem Mann, mit haselnussbraunen Augen, einem struppigen, grau melierten Bart und wilden Locken, die unter einem tarnfarbenen Schlapphut hervorquellen. Er gilt weithin als einer der letzten großen Scouts Amazoniens und als die führende Autorität für die letzten noch existierenden Gruppen isoliert lebender Indianer. Nach zwei Wochen auf dem Wasser und nach 20 weiteren Tagen mühseligen Kampfes durch den Dschungel hat uns Possuelo in eine der entlegensten und unbekanntesten Gegenden der Welt geführt, die es heute noch gibt: die Region unweit der Quellgebiete der Flüsse Itaquaí und Jutaí. Es ist das Land der geheimnisvollen Flecheiros, der Pfeilmenschen, eines Indianerstamms, dessen Leute noch kaum jemand zu Gesicht bekommen hat.
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Sie gelten als meisterliche Bogenschützen, die ihr Territorium aus der Deckung des Waldes heraus gegen jeden Eindringling mit vergifteten Pfeilen verteidigen.
Abrupt bleibt Possuelo stehen. Ein frisch abgehackter Schössling, der noch an einem Fetzen Rinde hängt, liegt quer über dem Pfad. So, wie sie ist, könnte die provisorische Schranke natürlich nicht einmal ein Kleinkind aufhalten, geschweige denn fast drei Dutzend bewaffneter Männer. Doch der Stängel enthält eine Botschaft - und eine Warnung -, die Possuelo versteht und respektiert. "Das ist die Sprache des Dschungels", flüstert er. "Es bedeutet: 'Bis hierher und nicht weiter.' Ihr Dorf muss in der Nähe sein." Und er will es auf keinen Fall betreten. Er dreht sich um und weist uns mit einer stummen Geste an, den Pfad zu verlassen und durch das Unterholz weiterzugehen.
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