Bild: Gabriela Staebler, Panthera Leo, Wildlife Photography Vergrößern
Frühling im australischen Outback. Seit Monaten ist kein Tropfen auf den braunen, verbrannten Boden gefallen. Bei vielen Tieren dämpft die Trockenheit die Triebe, die sich normalerweise um diese Jahreszeit einstellen. Aber die männlichen Flecken-Laubenvögel lassen sich durch den Regenmangel nicht beeindrucken. Unter alten Bäumen, Dornbüschen und Oleander hat jeder Vogel aus trockenem Gras eine raffinierte Arena gebaut, rund 30 Zentimeter hoch und bis zu 50 Zentimeter lang.
Die Bauten sind mit sonnengebleichten Wirbelknochen von Schafen, glänzender Aluminiumfolie, Aufreißlaschen von Bierdosen, Glasscherben sowie roten oder blauen Plastikstreifen geschmückt. Die hübschesten Lauben haben besondere Accessoires: eine silberne Gabel, eine Monopolyfigur, alte Patronenhülsen und tiefrotes, blaues oder violettes Glas. Die Vögel haben den Lichteinfall beachtet - wie sieht dieser Knochenstapel aus, wenn die Morgensonne ihn trifft? - und auf Symmetrie geachtet: Silbrige Metallringe sind zum Beispiel in gleichem Abstand an beiden Enden der Laube drapiert.
Bild: Erythromma Viridulum, Thomas Endlein Vergrößern
Jetzt können die Vogelmänner nur noch warten. Auf ein Weibchen, das sie ihrer Baukunst wegen als Partner erwählt. "Das ist der Grund für diesen ganzen Aufwand", sagt der Evolutionsbiologe Gerry Borgia von der Universität von Maryland. Seit 23 Jahren erforscht er das Paarungsverhalten dieser Vögel. Die erfolgreichsten Männchen sind ungefähr zehn Jahre alt und haben zuvor in fünf einsamen Junggesellenjahren ihre Fähigkeiten vervollkommnet. Wie bei den meisten Vögeln kann ein Männchen das Weibchen zu nichts zwingen. Es muss singen, tanzen und eine Laube bauen, um sie rumzukriegen. Die Entscheidung liegt - bei den Laubenvögeln wie bei den meisten anderen Tierarten, von den Taufliegen bis zu den Elefanten - beim Weibchen.
Die Männchen dagegen wetteifern untereinander um die Gunst der Damen. Jedes will zeigen, dass es der beste Samenspender für die Nachwuchsproduktion ist. Nur deshalb schlägt der männliche Pfau sein schickes Rad, trägt das Guppymännchen leuchtend orange und blaue Flecken, quaken Froschmännchen unermüdlich.
Bild: Diomedea Spez., Graham Robertson Vergrößern
"Grundsätzlich will das Männchen exklusiven Zugang zu den Eizellen", erklärt William Eberhard, Evolutionsbiologe an der Universität von Costa Rica. "Dafür tut es alles. Aber sie hat das Sagen, bestimmt die Regeln, wählt aus." Charles Darwin entwickelte als Erster eine Theorie der sexuellen Selektion und beobachtete, dass es häufig die Weibchen sind, die sich ihre Partner aussuchen. "Noch bis in die siebziger Jahre hat man sich über die Idee regelrecht lustig gemacht", sagt der Evolutionsbiologe Michael Ryan von der Universität von Texas in Austin. "Einer schrieb sogar, man müsse sich doch nur unsere eigene Art ansehen, bei der die Frauen doch bestimmt nichts mitzureden hätten bei der Partnerwahl. Inzwischen können wir natürlich beweisen, dass Darwin Recht hatte: Es sind die Weibchen, die auswählen."
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