Schutz für Afrikas Eden

Artikel vom 01.09.2003  —  Autor: David Quammen  —  Bilder: Michael Nichols
Waldelefanten

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Am Morgen des 1. August 2002 rief El Hadj Omar Bongo, Präsident von Gabun, sein Kabinett in der Hauptstadt Libreville zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Worum es ging, wusste außer ihm niemand so recht. Noch als seine Minister sich im Kabinettssaal des Präsidentenpalasts versammelten, hatten sie von der Tagesordnung keine Ahnung. Umso verblüffter waren sie, dass auch drei Außenstehende zu der Sitzung erschienen: ein britischer Biologe namens Lee White, der bei der Wildlife Conservation Society (WCS) in New York das Gabun-Programm leitet, der Biologe Andre Kamden Toham aus Kamerun, der in Libreville für den World Wide Fund for Nature (WWF) tätig ist, und der amerikanische Ökologe und Forscher J. Michael (Mike) Fay. Er ist ebenfalls WCS-Angestellter und einigen der Anwesenden bekannt als "der Mann, der durch Gabun gelaufen ist". Die Minister nahmen ihre Plätze ein. Nach einer kurzen Pause, in der White und Fay sich hektisch bemühten, einen Laptop an das Computernetz des Saals anzuschließen, kam der Präsident. Ein selbstbeherrschter Mann mit Schnauzbart und einem warmherzigen Lächeln, gekleidet in einen gelben Anzug. Ohne ein Wort setzte er sich und signalisierte Forstwirtschaftsminister Émile Doumba mit einem Nicken, die Sitzung zu eröffnen. Doumba gab nur bekannt, dass Dr. Fay und Dr. White den Versammelten über ein Thema berichten würden, das dem Präsidenten sehr wichtig sei.

Abgeholzte Okoumebäume

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Während er ein aufsehenerregendes Foto nach dem anderen vorführte, beschrieb Fay den außerordentlichen biologischen Reichtum der Wälder, der abgelegenen Gebirge und der Binnen- und Küstengewässer in Gabun. Hier biete sich eine einmalige Gelegenheit - nicht nur für den Naturschutz, sondern über die potenziellen Einnahmen durch Ökotourismus auch für die Wirtschaft. Und die könne man beim Schopfe packen, wenn man den Reichtum unter Schutz stelle und Nationalparks einrichte. Um die Wahrheit zu sagen: Mit ihrem Projekt griffen Fay und seine Kollegen nach den Sternen. Ein Verbund aus Nationalparks ist ein sehr langfristiges Ziel, und 13 Parks konnten nur eine Option für die Zukunft sein. Kurzfristig strebten sie nur an, dem Schutzgebiet Lopé den Status eines Nationalparks zu sichern - was weit weniger ehrgeizig, aber immer noch schwierig genug war.

Niemand unterbrach die Vorträge der Wissenschaftler, und auch danach herrschte Schweigen. White, Fay und Toham saßen da und warteten höflich. "Es war vorüber, und der Präsident machte ein Zeichen, dass man ihm irgendetwas bringen sollte", berichtet Fay. Forstwirtschaftsminister Doumba ging mit einer eleganten Aktenmappe zum Podium. Er öffnete sie und zeigte dem Präsidenten ein Schriftstück: das Lopé-Dekret. Der Präsident überflog es und schüttelte den Kopf. "Nein", sagte er halblaut zu Doumba, "das ist nicht das Richtige." Irgendetwas passte ihm offenbar nicht. Verwirrung, Verblüffung, peinliches Schweigen. Fay wollte Doumba zu Hilfe kommen, ging unaufgefordert zum Podium des Präsidenten und blickte dem Staatsoberhaupt über die Schulter. "Ja, Sir, das ist es. Das ist das Lopé- Dekret", bestätigte er.

Gorilla

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Der Amerikaner konnte so vorlaut eingreifen, weil er nach einem früheren Zusammentreffen und wegen der Medienberichte über seine Expedition bei Präsident Bongo einen Stein im Brett hatte. Trotzdem konnte auch Fay den Präsidenten nicht besänftigen. Bongo wurde deutlich. "Ich will alles", sagte er. "Nicht nur Lopé. Ich will das ganze Netz." Auf diese überraschende Wendung war der arme Minister Doumba nicht vorbereitet. Welches Netz? "Ich will das Netz, so, wie es gerade beschrieben wurde", forderte der Präsident. "Ich will 13 Dekrete zur Errichtung von 13 neuen Nationalparks. Ich werde sie noch heute unterzeichnen. Fangen Sie an."


(NG, Heft 9 / 2003)
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