Der Glanz der Pharaonenzeit erfüllte das Ägyptische Museum am 15. November 1902, dem Tag seiner Eröffnung. In den nachfolgenden 100 Jahren haben Archäologen zahlreiche weitere, noch größere Reichtümer gefunden - prächtige Statuen, geheimnisvolle Mumien, das Gold Tutanchamuns -, aber viele Schätze verschwanden in irgendwelchen Depots, ohne dass ihnen weitere Beachtung geschenkt worden wäre.
Im Sommer 2002 ließ ich in meiner Funktion als Generalsekretär des Obersten Rats für Altertümer das Museum und Lager im ganzen Land durchforsten, um Material für eine einmalige Ausstellung zu finden, die wir anlässlich des 100. Geburtstags unseres Museums planten. Das Ergebnis ist eine überwältigende Hommage an eine der großen Zivilisationen der Welt.
Mein Team schwärmte über ganz Ägypten aus: Die vergoldete Totenmaske einer Frau aus Tell el Sowwah kommt in einer Hülle aus Baumwolle zum Vorschein, eine Kiste aus Abydos enthält winzige Sandsteinsarkophage, die mit goldenen Figuren von Spitzmäusen verziert sind. Aus Marsa Matruh stammt ein turmartiger Schrein, der die Abbilder des Gottes Ptah und seiner Gemahlin, der löwenköpfigen Sechmet, zeigt. Innerhalb von nur zwei Wochen stellten wir verborgene Schätze aus 3000 Jahren zusammen - aus der Zeit der frühesten Könige bis in die griechisch-römische Epoche.
Arbeiter richteten einen Teil des Museumskellers als Ausstellungsfläche her. Und aus einem selten betretenen Labyrinth staubiger, stickiger Gänge voller Kisten wurde der Schauplatz einer Reise in die ruhmreiche Vergangenheit Ägyptens.
Zu sehen sind hier auch die Kronjuwelen von Tutanchamun. Viele Kunstwerke aus dem Grab dieses Königs sind der Öffentlichkeit nicht bekannt. Einst lagen sie im Schatten seiner prächtigen Sarkophage - jetzt schimmern sie in neuem Glanz. Die Menschen, die diese Artefakte geschaffen haben, sind lange tot, ihre Gräber von Sand bedeckt, ihre Namen in Vergessenheit geraten. Unser Museum hält ihr Vermächtnis lebendig, erfüllt die Geschichte der Archäologie mit Leben.
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