Stanislaw Nowak war nie wirklich Kommunist. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war der Obstbauer aus der hügeligen Malopolska-Region in Südpolen unzufrieden mit den Preisen, die von der staatlichen Kolchose für Äpfel, Birnen und Pflaumen gezahlt wurden. Während die anderen Bauern murrten wie gute polnische Kommunisten und es dabei beließen, lud Nowak zwei Tonnen Obst in seinen Eintonner und ruckelte über holprige Straßen in weit entfernte Städte. Auf den Schwarzmärkten von Warschau, Posen und Danzig verkaufte er seine Früchte.
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Er fuhr allein und hatte zwischen seinen Obstkisten kaum Platz zum Lenken. Wurde er von der Polizei angehalten, erzählte er von Armut und von vielen kleinen Mäulern, die zu Hause zu stopfen seien. Dann verteilte er freizügig Obst an die Beamten. Als der Ostblock 1989 zerfiel und viele Bauern über ihr Schicksal lamentierten, investierte Nowak seine Ersparnisse in einen größeren Lastwagen. Er pflanzte mehr Bäume und produzierte nun auch Trockenobst und Slibowitz - selber gebrannten Schnaps.
Und 1994, als Polen den Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU) stellte, witzelte Nowak wie alle anderen über unbedarfte Eurokraten, die ein Schaf nicht von einem Schäferhund unterscheiden könnten. Aber er plante für die Zukunft. "Egal, unter welchem System man lebt, man muss immer hart arbeiten", sagt der 43-Jährige. "Und man muss kreativ sein und manchmal auch Risiken eingehen." Für diese spielerisch-herausfordernde, opportunistische Einstellung gibt es im Polnischen das Wort sprytny. Sie hat den Polen in den vergangenen 1000 Jahren geholfen, die Wechselfälle der Geschichte zu überstehen. Doch der von den Sowjets auferlegte Kommunismus sollte sprytny den Garaus machen.
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Die Furcht vor dem Terror breitete sich in den Köpfen der Menschen aus und lähmte selbst die unverwüstlich erscheinenden Polen. Beinahe 50 Jahre lang währten die Einschränkungen, die Angst und die Propaganda in acht von zehn Staaten, die jetzt der EU beitreten: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Slowenien. Das macht ihre Entscheidung, sich auf den uneingeschränkten Kapitalismus Europas einzulassen, umso verwegener. Wenn sie Erfolg haben wollen, müssen sie ihre Organismen rasch von der Lethargie befreien. Aber, wie ein Taxifahrer in Krakau es ausdrückt: "Wir waren 50 Jahre lang krank. Es wird eine Zeit dauern, bis die Symptome verschwunden sind."
Aber die Europäische Union ist nicht dazu gedacht, Kranke zu heilen. Auf den Erfahrungen zweier Weltkriege basierend, sollte der Zusammenschluss den Frieden in Europa stabilisieren und angesichts des beginnenden Kalten Kriegs auch die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland an den Westen binden. Und er sollte Wohlstand schaffen.
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